FAQ

CLV Christ­li­che Li­te­ra­tur-Ver­brei­tung, Bielefeld

Die fol­gen­den Fra­gen und Ant­wor­ten wur­den dem Buch “Fra­gen – die im­mer wie­der ge­stellt wer­den” von Prof. Dr. Wer­ner Gitt ent­nom­men. Kos­ten­lo­ser Down­load und Kauf­mög­lich­keit (auch von Aus­ga­ben in an­de­ren Spra­chen) bei clv​.de.

Wo­her kann ich wis­sen, dass es Gott über­haupt gibt?

Es gibt kein Volk und kei­nen Stamm auf die­ser Er­de, in dem die Men­schen nicht in ir­gend­ei­ner Form an ei­nen Gott, ei­nen Geist oder ein We­sen glau­ben, das über ih­nen steht. Das gilt auch für die iso­lier­tes­ten Ur­wald­stäm­me, die nie ei­ne Be­rüh­rung mit ei­ner an­de­ren Kul­tur und schon gar nicht mit dem Evan­ge­li­um hat­ten. Wie kommt das? Wir ha­ben al­le die den­ke­ri­sche Fä­hig­keit, von den wun­der­ba­ren Wer­ken der be­ob­acht­ba­ren Schöp­fung auf den un­sicht­ba­ren Schöp­fer zu schlie­ßen. Nie­mand glaubt, dass ein Au­to, ei­ne Uhr oder auch nur ein Knopf oder ei­ne Bü­ro­klam­mer von selbst ent­ste­hen. Dar­um schreibt Pau­lus im Neu­en Tes­ta­ment: »Denn Got­tes un­sicht­ba­res We­sen, das ist sei­ne ewi­ge Kraft und Gott­heit, wird er­se­hen seit der Schöp­fung der Welt und wahr­ge­nom­men an sei­nen Wer­ken, so­dass sie kei­ne Ent­schul­di­gung ha­ben« (Röm 1,20). Aus der Schöp­fung kön­nen wir al­ler­dings nur er­fah­ren, dass ein Gott exi stiert und auf sei­ne Kraft und sei­nen Ideen­reich­tum schlie­ßen, nicht aber auf sei­ne We­sens­art (z. B. Lie­be, Le­ben, Barm­her­zig­keit, Gü­te). Da­zu ist uns die Bi­bel gegeben.

Wo ist Gott?

Nach un­se­ren mensch­li­chen Vor­stel­lun­gen ver­su­chen wir, Gott räum­lich zu lo­ka­li­sie­ren. Dar­um fin­den wir bei den heid­ni­schen Got­tes­vor­stel­lun­gen des Al­ter­tums wie auch im Neu­hei­den­tum der­ar­ti­ge An­ga­ben. Die Grie­chen glaub­ten, ih­re Göt­ter wür­den auf dem Berg Olymp woh­nen, und die Ger­ma­nen lo­ka­li­sier­ten sie in Wal­hall. Der fran­zö­si­sche Ma­the­ma­ti­ker und As­tro­nom Pierre S. M. La­place (1749–1827) mein­te: »Ich ha­be das gan­ze Welt­all durch­forscht, aber Gott ha­be ich nir­gends ge­fun­den.« Ähn­li­ches stell­ten auch sowje¬tische Kos­mo­nau­ten fest: »Ich bin Gott bei mei­nem Flug nicht be­geg­net« (Ni­ko­la­jew, 1962 mit Wos­tok III). Al­le die­se Aus­sa­gen sind im Licht der Bi­bel grund­falsch, denn Gott ist über­räum­lich. Er, der den Raum ge­schaf­fen hat, kann nicht Teil des Rau­mes sein. Viel­mehr durch­dringt er je­de Po­si­ti­on des Rau­mes; er ist all­ge­gen­wär­tig. Dies er­klärt Pau­lus den heid­ni­schen Athe­nern auf dem Areo­pag: »In ihm (Gott) le­ben, we­ben und sind wir« (Apg 17,28). Der Psal­mist weiß eben­so um die­se Rea­li­tät, wenn er be­kennt: »Ich ge­he oder lie­ge, so bist du um mich … und hältst dei­ne Hand über mir« (Ps 139,3+5). Auch hier wird das voll­stän­di­ge Um­ge­ben und Durch­drin­gen Got­tes an­ge­zeigt. Die ma­the­ma­ti­sche Vor­stel­lung von hö­her­di­men­sio­na­len Räu­men (un­ser Raum hat drei Di­men­sio­nen) kann uns bei der Fra­ge »Wo ist Gott?« ei­ne Hil­fe sein. Der n‑dimensionale Raum ist da­bei nur ei­ne Un­ter­men­ge des (n+1)-dimensionalen Rau­mes. So ist z. B. der vier­di­men­sio­na­le Raum nicht vom drei­di­men­sio­na­len auf­nehm­bar, den­noch durch­dringt er ihn völ­lig. Die­sen Sach­ver­halt be schreibt die Bi­bel, wenn es in 1. Kö­ni­ge 8,27 heißt: »Denn soll­te in Wahr­heit Gott auf Er­den woh­nen? Sie­he, der Him­mel und al­ler Him­mel Him­mel kön­nen dich nicht fassen.«

Was be­deu­tet das Wort Gott – G.O.T.T.?

Das Wort »Gott« ist kein Akro­nym, d. h. ein aus den An­fangs­buch­sta­ben meh­re­rer Wör­ter ge­bil­de­tes Kurz­wort wie z. B. UFO (= Un­be­kann­tes Flug­ob­jekt). Gott hat sich den Men­schen im­mer wie­der mit neu­en Na­men of­fen­bart, die mit ih­rer Wort­be­deu­tung das We­sen Got­tes be­schrei­ben (die fol­gen­den Bi­bel­stel­len ge­ben das ers­te Vor­kom­men an):
Elo­him (1Mo 1,1; Gott – Plu­ral­form, um die Drei­ei­nig­keit von Va­ter, Sohn und Hei­li­gem Geist aus­zu­drü­cken)
El­o­ah (41-mal im Buch Hi­ob, sonst nur ver­ein­zelt; Gott – Sin­gu­lar­form von Elo­him)
El (1Mo 33,20; Gott, der All­mäch­ti­ge)
El-Olam (1Mo 21,33; ewi­ger Gott)
El-Schad­dai (1Mo 17,1; all­mäch­ti­ger Gott)
El-Roi (1Mo 16,13; Gott, der mich sieht)
Jah­we (1Mo 2,4; nach 2Mo 3,14–15 »Ich bin, der ich bin«)
Jah­we-Ra­phe­ka (2Mo 15,26; Jah­we, dein Arzt)
Jah­we-Nis­si (2Mo 17,15; Jah­we, mein Pa­nier)
Jah­we-Ji­reh (1Mo 22,13+14; Jah­we er­sieht)
Jah­we-Scha­lom (Ri 6,24; Jah­we ist Frie­de)
Jah­we-Zid­ke­nu (Jer 23,6; Jah­we, un­se­re Ge­rech­tig­keit)
Jah­we-Scham­mah (Hes 48,35; Jah­we ist da­selbst)
Jah­we-Roi (Ps 23,1; Jah­we, mein Hirt)
Jah­we-Ze­baoth (Gott der Heer­scha­ren)
Adonai (1Mo 15,2; mein Herr, 134-mal im AT)
(Lit.: Abra­ham Meis­ter: Bi­bli­sches Na­mens­le­xi­kon, Pfäf­fi­kon, 1970)

War­um ist Gott nicht zu se­hen?

Die ers­ten von Gott ge­schaf­fe­nen Men­schen, Adam und Eva, leb­ten in der Ge­mein­schaft mit Gott, so­dass sie ihn auch von An­ge­sicht zu An­ge­sicht se­hen konn­ten. Im Sün­den­fall trenn­te sich der Mensch von Gott. Es ist ein hei­li­ger Gott, der je­de Sün­de hasst, und so­mit en­de­te die­se ur­sprüng­li­che Ge­mein­schaft. »Gott wohnt in ei­nem Licht, da nie­mand zu­kom­men kann« (1Tim 6,16), dar­um wer­den wir ihn erst wie­der se­hen, wenn wir nach dem To­de in sein Va­ter­haus kom­men. Der Weg dort­hin ist nur durch den Herrn Je­sus mög­lich: »Nie­mand kommt zum Va­ter denn durch mich« (Joh 14,6).

Ist das ein Gott der Lie­be, wenn er all die Not in die­ser Welt zu­lässt? War­um lässt Gott das Leid zu?

Vor dem Sün­den­fall gab es we­der Tod noch Leid, we­der Schmerz noch ir­gend­et­was von dem, was uns heu­te so viel Mü­he macht. Gott hat­te al­les so ge­stal­tet, dass der Mensch un­ter idea­len Be­din­gun­gen le­ben konn­te. In frei­er Ent­schei­dung ging der Mensch ei­ge­ne We­ge, die von Gott weg­führ­ten. War­um Gott uns ei­nen so wei­ten Frei­heits­ra­di­us zu­bil­ligt, kön­nen wir nicht er­klä­ren. Wir stel­len aber fest: Wer von Gott weg­geht, ge­langt ins Elend. Die­se bit­te­re Er­fah­rung ma­chen wir bis zum heu­ti­gen Tag. Man­che Men­schen sind da­zu ge­neigt, Gott die Schuld zu­zu­schie­ben. Da­bei soll­ten wir be­den­ken, dass nicht Gott, son­dern der Mensch der Ver­ur­sa­cher ist. Wenn wir des Nachts auf der Au­to­bahn das Schein­wer­fer­licht aus­schal­ten und es so zu ei­nem Un­fall kommt, dür­fen wir nicht dem Au­to­her­stel­ler die Schuld ge­ben. Er hat die kon­struk­ti­ven Vor­ga­ben für die Be­leuch­tung ge­ge­ben; wenn wir sie wil­lent­lich ab schal­ten, ist das al­lein un­se­re Sa­che. »Gott ist Licht« (1Joh 1,5), und wenn wir uns in die Fins­ter­nis der Got­tes­fer­ne be­ge­ben, dür­fen wir uns nicht bei dem Schöp­fer be­kla­gen, der uns doch für sei­ne Nä­he ge­schaf­fen hat. Gott ist und bleibt ein Gott der Lie­be, denn er hat Un­vor­stell­ba­res ge tan: Er gab sei­nen ei­ge­nen Sohn da­hin, um uns aus un­se­rer selbst ver­schul­de­ten Si­tua­ti­on frei­zu­kau­fen. Je­sus sagt von sich in Jo­han­nes 15,13: »Nie­mand hat grö­ße­re Lie­be denn die, dass er sein Le­ben lässt für sei­ne Freun­de.« Gibt es ei­ne grö­ße­re Lie­be? Nie ist et­was Grö­ße­res für den Men schen voll­bracht wor­den als in der Tat auf Gol­ga­tha: Das Kreuz ist so­mit der Hö­he­punkt gött­li­cher Lie­be.
Wir le­ben al­le – ob gläu­big oder un­gläu­big – in der ge­fal­le­nen Schöp­fung, in der das Leid in all sei­nen uns wohl­be­kann­ten Aus­prä­gun­gen ge­ne­rel­ler Be­stand­teil ist. Nicht deut­bar bleibt für uns das in­di­vi­du­el­le Leid. War­um geht es dem ei­nen gut, und der an­de­re ist durch Not und schwe­re Krank­heit hart ge­schla­gen? Oft muss der Gläu­bi­ge so­gar mehr lei­den als der Gott­lo­se, wie es der Psal­mist fest­stellt:
»Denn es ver­dross mich der Ruhmre­di­gen, da ich sah, dass es den Gott­lo­sen so wohl­ging. Denn sie sind in kei­ner Ge­fahr des To­des, son­dern ste­hen fest wie ein Pa­last. Sie sind nicht im Un­glück wie an­de­re Leu­te und wer­den nicht wie an­de­re Men­schen ge­plagt« (Ps 73,3–5).
Er fin­det aber auch die rech­te Ein­ord­nung sei­ner in­di­vi­du­el­len Not, die er nicht als Stra­fe für ei­ge­ne Sün­de an­sieht. Er ha­dert nicht mit Gott, son­dern klam­mert sich fest an ihn:
»Den­noch blei­be ich stets an dir; denn du hältst mich bei dei­ner rech­ten Hand, du lei­test mich nach dei­nem Rat und nimmst mich end­lich mit Eh­ren an … Wenn mir gleich Leib und See­le ver­schmach­tet, so bist du doch, Gott, al­le­zeit mei­nes Her­zens Trost und mein Teil« (Ps 73,23–24+26).

Hat nicht Gott Schuld an al­lem?

Als Gott Adam nach dem Sün­den­fall zur Re­chen­schaft zog, ver­wies die­ser auf Eva: »Die Frau, die du mir zu­ge­sellt hast, gab mir von dem Baum« (1Mo 3,12). Als Gott dann die Frau an­sprach, wies auch Eva von sich weg: »Die Schlan­ge be­trog mich al­so, dass ich aß« (1Mo 3,13). Be­züg­lich un se­rer Schuld ha­ben wir ein merk­wür­di­ges Ver­hal­ten: Wir wei­sen im­mer von uns ab, bis wir letzt lich Gott zum Schul­di­gen er­klä­ren. Nun aber ge­schieht das Un­vor­stell­ba­re: In Je­sus nimmt Gott al­le Schuld auf sich: »Denn Gott hat den (= Je­sus), der von kei­ner Sün­de wuss­te, zur Sün­de ge­macht« (2Kor 5,21). Das Ge­richt Got­tes über die Sün­de der Welt ent­lädt sich auf den Sohn Got­tes. Ihn trifft der Bann­strahl mit vol­ler Schär­fe; das gan­ze Land ver­fins­tert sich für drei Stun­den, er ist wirk­lich von Gott ver­las­sen. »Er hat sich selbst für un­se­re Sün­den ge­ge­ben« (Gal 1,4), da­mit wir frei aus­ge­hen kön­nen. Das ist das Ma­ni­fest der Lie­be Got­tes. Ei­ne bes­se­re Bot­schaft als das Evan­ge­li­um gibt es nicht.

Durch Krie­ge hat Gott zu alt­tes­ta­ment­li­cher Zeit ein gan­zes Volk aus­rot­ten las­sen, und in der Berg­pre­digt heißt es: Lie­bet eu­re Fein­de. Ist der Gott des AT ein an­de­rer als der des NT?

Man­che Leu­te sind der Mei­nung, im AT sei Gott ein Gott des Zor­nes und der Ra­che und im NT ein Gott der Lie­be. Die­se Auf­fas­sung ist durch die bei­den fol­gen­den Aus­sa­gen aus dem AT und NT leicht zu wi­der­le­gen: In Je­re­mia 31,3 sagt Gott: »Ich ha­be dich je und je ge­liebt; dar­um ha­be ich dich zu mir ge­zo­gen aus lau­ter Gü­te«, und im NT le­sen wir bei He­brä­er 10,31: »Schreck­lich ist’s, in die Hän­de des le­ben­di­gen Got­tes zu fal­len.« Gott ist so­wohl der zor­ni­ge Gott ge­gen­über der Sün­de als auch der lie­ben­de Gott ge gen­über den Buß­fer­ti­gen. Die­ses Zeug­nis fin­den wir so­wohl im AT als auch im NT, denn Gott ist im­mer der­sel­be. Bei ihm »ist kei­ne Ver­än­de­rung noch Wech­sel des Lichts und der Fins­ter­nis« (Jak 1,17). Eben­so hat sich der Sohn Got­tes we­sens­mä­ßig nie ver­än­dert: »Je­sus Chris­tus ges­tern und heu­te und der­sel­be auch in Ewig­keit« (Hebr 13,8).
Die Bi­bel ist vol­ler Bei­spie­le, wie Gott die Sün­de an Men­schen rich­tet und wie er an­de­rer­seits die Sei­nen be­wahrt. In der Sint­flut ging die gan­ze Mensch­heit we­gen ih­rer Bos­heit un­ter, und nur acht Leu­te wur­den er­ret­tet. Eben­so wird im End­ge­richt der größ­te Teil der Mensch­heit ver­lo­ren ge­hen, weil sie den brei­ten Weg der Ver­damm­nis gin­gen (Mt 7,13–14). Gott hat­te sei­nem Volk Is­ra­el das ver­hei­ße­ne Land ge­ge­ben, aber beim Aus­zug aus Ägyp­ten über­fal­len die Ama­le­ki­ter die Nach­züg­ler. In 5. Mo­se 25,17–19 wird den Ama­le­ki­tern das Ge­richt der Aus­til­gung an­ge­sagt, das Saul zu spä­te­rer Zeit auf Be­fehl Got­tes aus­zu­füh­ren hat­te (1Sam 15,3). Zu neu­tes­ta­ment­li­cher Zeit wer­den Ana­ni­as und Sa­phi­ra von Gott ge­tö­tet, weil sie nicht die gan­ze Wahr­heit sag­ten (Apg 5,1–11). An die­sen Bei­spie­len kön­nen wir ler nen, dass Gott je­de Sün­de erns­ter nimmt, als wir den­ken. Auch dar­in hat sich Gott nie ge­än­dert. Er hasst je­de Sün­de, und er wird jeg­li­che Mis­se­tat rich­ten. Er könn­te auch heu­te gan­ze Völ­ker ver­nich­ten. Wir Deut­schen ha­ben ge­gen über Gott in be­son­ders har­ter Wei­se ge­sün­digt, weil in un­se­rem Volk wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein ra­di­ka­les Aus­rot­tungs­pro­gramm ge­gen sein Volk Is­ra­el ent­wi­ckelt wur­de. Die 40-jäh­ri­ge Tei­lung Deutsch­lands und der Ver­lust der Ost­ge­bie­te sind ein deut­li­ches Ge­richt da­für. Gott hät­te auch das gan­ze Volk ver­nich­ten kön­nen, aber sei­ne Barm­her­zig­keit war so groß, dass er es nicht ge­tan hat; viel­leicht auch we­gen der im­mer noch vor­han­de­nen Gläu­bi­gen. So­dom und Go­mor­ra wä­ren nicht un­ter­ge­gan­gen, hät­te es we­nigs­tens zehn Ge­rech­te dort ge­ge­ben (1Mo 18,32). Wenn das Ge­richt nicht im­mer au­gen­blick­lich statt­fin­det, ist das Got­tes Gna­de. Ein­mal aber muss je­der Re­chen­schaft ge­ben über sein Le­ben, so­wohl die Gläu­bi­gen (2Kor 5,10) als auch die Un­gläu­bi­gen (Hebr 9,27; Offb 20,11–15).

Hat Gott das Bö­se ge­schaf­fen?

Im ers­ten Jo­han­nes­brief le­sen wir, »dass Gott Licht ist, und in ihm ist kei­ne Fins­ter­nis« (1,5). Gott ist der ab­so­lut Rei­ne und Voll­kom­me­ne (Mt 5,48), und die En­gel be kun­den: »Hei­lig, hei­lig, hei­lig ist der Herr Ze­baoth« (Jes 6,3). Er ist der »Va­ter des Lichts« (Jak 1,17), und so kann das Bö­se nie­mals von ihm kom­men. Die Her­kunft des Bö sen bringt die Bi­bel in Zu­sam­men­hang mit dem Fall Sa tans, der einst ein Che­rub, ein Lich­ten­gel, war und »gleich dem Al­ler­höchs­ten« (Jes 14,14) sein woll­te. In He­se­kiel 28,15ff. ist sein Stolz und Fall be­schrie­ben:
»Du warst oh­ne Ta­del in dei­nem Tun von dem Ta­ge an, da du ge­schaf­fen wur­dest, bis dich dei­ne Mis­se­tat ge­fun­den hat. Denn du bist in­wen­dig voll Fre­vels ge­wor­den vor dei­ner gro­ßen Han­tie­rung und hast dich ver­sün­digt. Dar­um will ich dich ent­hei­li­gen von dem Ber­ge Got­tes und will dich aus­ge­brei­te­ten Che­rub aus den feu­ri­gen Stei­nen ver­sto­ßen. Und weil sich dein Herz er­hebt … dar­um will ich dich zu Bo­den stür­zen.«
Da­durch, dass das ers­te Men­schen­paar auf die Ver­su­chung ein­ging, ge­rie­ten sie selbst un­ter die Knecht­schaft der Sün de. Das Bö­se hat­te so­mit Ein­gang in die­se Schöp­fung ge­fun­den. Of­fen­bar ist dem Sa­tan hier­durch der Herr­schafts­ein­bruch in die­se Welt ge­lun­gen: »Denn wir ha­ben nicht mit Fleisch und Blut zu kämp­fen, son­dern mit Mäch­ti­gen und Ge­wal­ti­gen, näm­lich mit den Her­ren der Welt, die in die­ser Fins­ter­nis herr­schen, mit den bö­sen Geis­tern un­ter dem Him­mel« (Eph 6,12).

Ist Gott lern­fä­hig?

Ler­nen ist de­fi­ni­ti­ons­ge­mäß die Auf­nah­me un­be­kann­ten Wis­sens. Da Gott al­le Din­ge weiß (Ps 139,2; Joh 16,30), gibt es für ihn nichts Neu­es, das er noch ler­nen könn­te. Als Herr über Raum und Zeit ist ihm Ver­gan­ge­nes wie Zu­künf­ti­ges in glei­cher Wei­se be­kannt. Wir hin­ge gen blei­ben Ler­nen­de. In der Bi­bel teilt uns Gott in sei­ner All­wis­sen­heit kom­men­de Er­eig­nis­se in pro­phe­ti­scher Schau mit.

Hat Je­sus wirk­lich ge­lebt? Ist er Got­tes Sohn?

Die An­kün­di­gung des Kom­mens Je­su in die­se Welt ge­hört zu den mar­kan­tes­ten pro­phe­ti­schen Aus­sa­gen. In de tail­lier­ter Wei­se sagt das AT sei­nen Ge­burts­ort Beth­le­hem (Mi 5,1 Lk 2,4), sei­ne Ab­stam­mungs­li­nie (2Sam 7,16 Mt 1,1–17), die gleich­zei­ti­ge Sohn­schaft Got­tes (Ps 2,7; 2Sam 7,14 Hebr 1,5) und des Men­schen (Dan 7,13 Lk 21,27), sein Wir­ken (Jes 42,7 Joh 9), den Grund sei ner Sen­dung (Jes 53,4–5 Mk 10,45), den Ver­rat an ihm für 30 Sil­ber­lin­ge (Sach 11,12 Mt 26,15), sein Lei­den und Ster­ben am Kreuz (Ps 22 Lk 24,26) so­wie sei­ne Auf­er­ste­hung (Hos 6,2 Lk 24,46) vor­aus. Durch den deut­li­chen Ab­stand von 400 Jah­ren zwi­schen dem letz­ten Buch des AT und der neu­tes­ta­ment­li­chen Zeit be­kom­men die er­füll­ten Pro­phe­ti­en auf Chris­tus ihr be­son­ders ein­drück­li­ches Ge­wicht hin­sicht­lich der oben ge­stell­ten Fra­ge. Auch au­ßer­bi­bli­sche Quel­len be­zeu­gen das Le­ben Je­su, wie z. B. der rö­mi­sche His­to­ri­ker Ta­ci­tus, der rö­mi­sche Hof­be­am­te Sue­ton un­ter dem Kai­ser Ha­dri­an, der rö­mi­sche Statt­hal­ter von Bithy­ni­en in Klein­asi­en, Thal­lus u. a. Bei­spiel­haft sei hier ein Zi­tat des be­kann­ten jü­di­schen Ge­schichts­schrei­bers Fla­vi­us Jo­se­phus (geb. 37 n. Chr) ge­nannt:
»Um die­se Zeit leb­te Je­sus, ein wei­ser Mensch, wenn man ihn über­haupt ei­nen Men­schen nen­nen darf. Er war näm­lich der Voll­brin­ger ganz un­glaub­li­cher Ta­ten und der Leh­rer al­ler Men­schen, die mit Freu­den die Wahr heit auf­nah­men. So zog er vie­le Ju­den und auch vie­le Hei­den an sich. Er war der Chris­tus. Und ob­gleich ihn Pi­la­tus auf
Be­trei­ben der Vor­nehms­ten un­se­res Vol­kes zum Kreu­zes­tod ver­ur­teil­te, wur­den doch sei­ne frü­he­ren An­hän­ger
nicht un­treu. Denn er er­schien ih­nen am drit­ten Ta­ge wie­der le­bend, wie gott­ge­sag­te Pro­phe­ten dies und tau­send
an­de­re wun­der­ba­re Din­ge von ihm vor her ver­kün­digt hat­ten.« (Jü­di­sche Al­ter­tü­mer XVIII.3.3)
Gott selbst be­stä­tigt Je­sus als sei­nen Sohn (bei der Tau­fe: Mt 3,17; auf dem Berg der Ver­klä­rung: Mk 9,7), und der En­gel kün­digt sei­ne Ge­burt als Sohn des Al­ler­höchs­ten an (Lk 1,32). Der Herr Je­sus be­kennt sich im Ver­hör vor dem Ho­hen Rat, dem höchs­ten Re­gie­rungs- und Rich­ter­kol­le­gi­um in Is­ra­el (= die Ho­hen­pries­ter, Äl­tes­ten und Schrift ge­lehr­ten) un­ter Vor­sitz des Ho­hen­pries­ters Kai­phas (Mt 26,63–64; Mk 14,61–62; Lk 22,70) als Got­tes Sohn. Eben­so be­zeu­gen die un­ter­schied­lichs­ten Män­ner und Frau­en der Bi­bel Je­sus als den Sohn Got­tes:
• Pe­trus: »Du bist Chris­tus, des le­ben­di­gen Got­tes Sohn« (Mt 16,16).
• Jo­han­nes: »Wer nun be­kennt, dass Je­sus Got­tes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott« (1Joh 4,15).
• Pau­lus: »Ich le­be im Glau­ben an den Sohn Got­tes« (Gal 2,20).
• Mar­tha aus Be­tha­ni­en: »Ich glau­be, dass du bist Chris ‑tus, der Sohn Got­tes, der in die Welt ge­kom­men ist« (Joh 11,27).
• Na­tha­na­el: »Rab­bi, du bist Got­tes Sohn!« (Joh 1,49).
• Der rö­mi­sche Haupt­mann bei der Kreu­zi­gung: »Wahr­lich, die­ser ist Got­tes Sohn ge­we­sen« (Mt 27,54).
• Der äthio­pi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter: »Ich glau­be, dass Je­sus Chris­tus Got­tes Sohn ist« (Apg 8,37).
Auch der Teu­fel weiß um Je­su Sohn­schaft Got­tes (Mt 4,3+6), und die Dä­mo­nen müs­sen ihn als den Sohn Got­tes an­er­ken­nen (Mt 8,29).
Dass Je­sus der Sohn Got­tes ist, war da­mals den Pha­ri­sä­ern und Ho­hen­pries­tern (Mk 14,53–65) und auch dem auf­ge­wie­gel­ten Volk (Joh 19,7) ein An­stoß, und ist bis heu­te Ju den und Mos­lems ein Dorn im Au­ge. Er kann aber nicht un­ser Ret­ter und Hei­land sein, wenn er nur »Bru­der« (Scha­lom Ben Cho­rin), »Sohn un­ter Söh­nen« (Heinz Zahrnt), ein gu­ter Mensch oder ein So­zi­al­re­for­mer war, son­dern nur da durch, dass er wirk­lich der Sohn des le­ben­di­gen Got­tes ist (Mt 16,16).

In wel­cher Be­zie­hung ste­hen Gott und Je­sus zu­ein­an­der? Ist das ei­ne Per­son, oder wer von ih­nen ist hö­her? Zu wem sol­len wir be­ten?

Gott ist mit un­se­rem Den­ken nicht zu er­fas­sen. Er ist über­räum­lich, über­zeit­lich und un­aus­for­sch­lich, dar­um sind uns al­le bild­haf­ten Vor­stel­lun­gen von ihm schon im 1. Ge­bot un­ter­sagt. Gott hat sich den­noch »nicht un­be­zeugt ge­las­sen« (Apg 14,17); er hat sich uns of­fen­bart. Er ist der Ei­ne und zu­gleich der Drei­ei­ne.
Gott ist der Ei­ne: Es gibt kei­nen an­de­ren Gott als nur den Gott Abra­hams, Isaaks und Ja­kobs (2Mo 3,6): »Ich bin der Ers­te, und ich bin der Letz­te, und au­ßer mir ist kein Gott« (Jes 44,6). »Vor mir ist kein Gott ge­macht, so wird auch nach mir kei­ner sein. Ich, ich bin der Herr, und ist au­ßer mir kein Hei­land« (Jes 43,10–11). Dar­um lau­tet das Ge­bot: »Du sollst kei­ne an­de­ren Göt­ter ne­ben mir ha­ben« (2Mo 20,3). Die Got­tes­vor­stel­lun­gen in al­len Re­li­gio­nen sind nich­tig: »Denn al­le Göt­ter der Völ­ker sind Göt­zen« (Ps 96,5); sie »sind Wind und ei­tel« (Jes 41,29).
Gott ist der Drei­ei­ne: Zu­gleich be­geg­net uns Gott als Ein­heit in drei Per­so­nen. Es han­delt sich nicht um drei ver­schie­de­ne Göt­ter, son­dern – wie es vie­le Stel­len der Bi­bel be­le­gen (z. B. 1Kor 12,4–6; Eph 1,17; Hebr 9,14) – um ei nen Drei­klang von Wil­len, Tun und We­sen Got­tes. Von die­sem drei­ei­nen Gott wird in drei­fa­cher Wei­se in per­so­na­ler Dif­fe­ren­zie­rung ge­re­det: – Gott der Va­ter – Je­sus Chri stus, der Sohn Got­tes – und der Hei­li­ge Geist. Im Tauf­be­fehl nach Mat­thä­us 28,19 tritt dies am aus­drück­lichs­ten und deut­lichs­ten her­vor Der in der Bi­bel nir­gends vor­kom­men de Aus­druck der »Drei­ei­nig­keit« (Tri­ni­tät; lat. tri­ni­tas = Drei­zahl) ist der mensch­li­che Ver­such, dies gött­li­che Ge­heim­nis mit ei­nem Wort zu fas­sen.
In Je­sus wur­de Gott Mensch: »Das Wort ward Fleisch« (Joh 1,14). Gott wur­de sicht­bar, hör­bar, tast­bar (1Joh 1,1) und im Glau­ben greif­bar (Joh 6,69). Den Herrn Je­sus hat Gott zu uns ge­sandt, und »ihn hat Gott für den Glau­ben hin ge­stellt« (Röm 3,25). So steht Je­sus in ei­ner be­son­de­ren funk­tio­na­len Zu­ord­nung für uns. Den ret­ten­den Glau­ben ha­ben wir nur, wenn wir an Je­sus gläu­big sind. Er ist für uns ans Kreuz ge­gan­gen, er hat un­se­re Schuld ge­sühnt, er hat uns teu­er er­kauft (1Petr 1,18), und dar­um müs­sen wir ihn an­ru­fen, um ge ret­tet zu wer­den (Röm 10,13). Durch Je­sus ha­ben wir Zu­gang zum Va­ter (Joh 14,6) und dür­fen als Kin der »Ab­ba, lie­ber Va­ter« (Röm 8,15) sa­gen. Je­sus ist der Sohn Got­tes, er ist mit dem Va­ter we­sens­gleich: »Ich und der Va­ter sind eins« (Joh 10,30), dar­um konn­te er sa­gen: »Wer mich sieht, sieht den Va­ter« (Joh 14,9). Tho­mas be kennt ge­gen­über dem Auf­er­stan­de­nen: »Mein Herr und mein Gott!« (Joh 20,28). Die Gott­heit Je­su und die We­sens­gleich­heit mit dem Va­ter kom­men wei­ter­hin durch fol­gen­de glei­che Ti­tel und Tä­tig­kei­ten zum Aus­druck: Schöp­fer (Jes 40,28 Joh 1,3), Licht (Jes 60,19–20 Joh 8,12), Hir­te (Ps 23,1 Joh 10,11), Ers­ter und Letz­ter (Jes 41,4 Offb 1,17), Sün­den­ver­ge­ber (Jer 31,34 Mk 2,5), Schöp­fer der En­gel (Ps 148,5 Kol 1,16), An­be­tung durch En­gel (Ps 148,2 Hebr 1,6). Die Gleich­heit Je­su mit dem Va­ter be­tont auch Phil­ip­per 2,6. Bei sei­ner Mensch­wer­dung nahm er die Knechts­ge­stalt ei­nes Men­schen an. Hier stand er in der völ­li­gen Ab­hän­gig­keit und im Ge­hor­sam zum Va­ter Im Zu­sam­men­hang mit der Mensch­wer­dung Je­su ist so­mit ei­ne deut­li­che Rang­fol­ge zwi­schen dem Va­ter und dem Sohn er­kenn­bar: Wie der Mann das Haupt der Frau ist, so ist Gott Chris­ti Haupt (1Kor 11,3). Nun aber sitzt der Herr Je­sus zur Rech­ten Got­tes und ist das Eben­bild sei­nes We­sens (Hebr 1,3). Der Va­ter hat dem Sohn al­le Macht im Him­mel und auf Er­den ge­ge­ben (Mt 28,18), auch das Ge richt hat er ihm über­eig­net (Joh 5,22), denn al­les hat er un­ter sei­ne Fü­ße ge­tan (1Kor 15,27). Schließ­lich heißt es: »Wenn aber al­les ihm (= Je­sus) un­ter­tan sein wird, als­dann wird auch der Sohn selbst un­ter­tan sein dem, der ihm al­les un­ter­ge­tan hat, auf dass Gott sei al­les in al­lem« (1Kor 15,28).
Der Hei­li­ge Geist be­geg­net uns eben­so als gött­li­che Per­son, je­doch in an­de­ren Funk­tio­nen als der Sohn Got­tes. Er ist un­ser Trös­ter (Joh 14,26) und An­walt, er er­schließt uns die Wahr­heit der Bi­bel (Joh 14,17), er ver­tritt uns vor Gott mit dem rech­ten Ge­bet (Röm 8,26), und oh­ne ihn kön­nen wir Je­sus als un­se­ren Ret­ter und Herrn (1Kor 12,3b) über haupt nicht er­ken­nen.
Ge­bet: Je­sus hat sei­ne Jün­ger und da­mit auch uns das Ge­bet zum Va­ter ge­lehrt (Mt 6,9–13), und als der Apos­tel Jo­han­nes vor der Macht des En­gels er­schro­cken zu Bo­den fällt und ihn an­be­ten will, wehrt der Bo­te Got­tes ent­schie­den ab: »Ich bin dein Mit­knecht … Be­te Gott an!« (Offb 22,9). Eben­so ist das Ge­bet zu Je­sus Chris­tus nicht nur mög­lich, son­dern seit sei­nem Kom­men in die­se Welt so­gar ge­bo­ten. Er selbst sag­te den Jün­gern: »Bis­her habt ihr nichts ge­be­ten in mei­nem Na­men« (Joh 16,24), und: »Was ihr mich bit­ten wer­det in mei­nem Na­men, das will ich tun« (Joh 14,14). Ko­los­ser 3,17 fasst all un­ser Re­den und Tun – und da­mit auch das Ge­bet zu Chris­tus – zu­sam­men: »Und al­les, was ihr tut mit Wor­ten oder mit Wer­ken, das tut al­les in dem Na­men des Herrn Je­sus und dan­ket Gott, dem Va­ter, durch ihn.« Je­sus ist der ein­zi­ge Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen (1Tim 2,5), und dar­um dür­fen wir uns im Ge­bet an ihn wen­den. Der ers­te Mär­ty­rer, Ste­pha­nus, wird uns vor­bild­haft als ein Mann »voll hei­li­gen Geis­tes« (Apg 7,55) ge­schil­dert. Sein Ge­bet zu Je­sus ist uns über­lie­fert: »Herr Je­sus, nimm mei­nen Geist auf!« (Apg 7,59). Auch wäh­rend der Er­den­zeit wur­de der Herr Je­sus als Gott an ge­be­tet, und er ak­zep­tier­te dies: Der Aus­sät­zi­ge (Mt 8,2), der ge­heil­te Blind­ge­bo­re­ne (Joh 9,38) und die Jün­ger (Mt 14,33) fie­len vor ihm nie­der. Dies ist nach der Bi­bel der höchs­te Aus­druck der An­be­tung und Hul­di­gung. Für das Ge­bet an den Hei­li­gen Geist (z. B. in dem Kir­chen­lied »Nun bit­ten wir den Hei­li­gen Geist um den rech­ten Glau­ben al­ler­meist« von Bert­hold von Re­gens­burg) fin­den wir in der Bi­bel je­doch kei­nen Hin­weis.
Das Ge­bet kennt al­so nach der Bi­bel nur zwei Adres­sen: Gott den Va­ter und Je­sus Chris­tus, den Sohn Gottes.

Die Bi­bel ist doch von Men­schen auf­ge­schrie­ben wor­den, dar­um ist al­les re­la­tiv zu se­hen. Wie kön­nen Sie sa­gen, dass sie von Gott ist und dass al­les wahr ist?

Wir wol­len hier die Fra­ge nach der bi­bli­schen Wahr­heit an ei­nem aus­ge­wähl­ten Bei­spiel zei­gen, das den Vor­teil hat, ma­the­ma­tisch nach­voll­zieh­bar zu sein. Die Bi­bel ent­hält 6408 Ver­se mit pro­phe­ti­schen An­ga­ben, von de­nen sich 3268 bis­her so er­füllt ha­ben, wäh­rend die rest­li­chen Pro­phe­ti­en noch zu­künf­ti­ge Er­eig­nis­se be­tref­fen. Kei­ne Vor­aus­sa­ge ist ver­än­dert ein­ge­trof­fen. Das gibt es in kei­nem an­de­ren Buch der Welt­ge­schich­te. Hier ha­ben wir ei­nen – auch ma­the­ma­tisch aus­drück­ba­ren – Wahr­heits­ge­halt vor uns, der nir­gends sei­nes­glei­chen hat. Wir wol­len nun die Fra­ge stel­len, ob es mög­lich ist, dass sich so vie­le Pro­phe­ti­en zu­fäl­lig er­fül­len kön­nen, d. h., ob ihr Ein­tref­fen oh­ne das Wir­ken Got­tes er­klär­bar ist. Da­zu wer­den wir uns nun der Wahr­schein­lich­keits­rech­nung be­die­nen. In dem fol­gen­den Be­rech­nungs­mo­dell wird nicht be­rück­sich­tigt, dass manch­mal meh­re­re Ver­se der Bi­bel da­zu die­nen, ei­ne ein­zi­ge Pro­phe­tie zu be­schrei­ben und zum an­de­ren ein Vers auch meh­re­re Pro­phe­ti­en ent­hal­ten kann. Eben­so geht der Tat­be­stand, dass man­che pro­phe­ti­sche Aus­sa­ge mehr­fach er­wähnt wird, nicht in die Rech­nung ein. Die­se Mo­dell­ver­ein­fa­chung wird je­doch durch den fol­gen­den An­satz für die Grund­wahr­schein­lich­keit bei Wei­tem aus­ge­gli­chen.
Nimmt man die sehr ho­he Grund­wahr­schein­lich­keit von p = 0,5 für die zu­fäl­li­ge Er­fül­lung ei­ner Ein­zel­pro­phe­tie an, so lässt sich die Ge­samt­wahr­schein­lich­keit w für die 3268 bis­her er­füll­ten Pro­phe­ti­en ma­the­ma­tisch ex­akt er­rech­nen. Die­se be­trägt w = 2–3268 = 1,714 · 10–984. Die pro­phe­ti­schen Aus­sa­gen sind der­art, dass das Ein­tre­ten des je­wei­lig be­schrie­be­nen Er­eig­nis­ses ma­the­ma­tisch mit 1 : 1000 bis 1 zu meh­re­ren Mil­lio­nen an­zu­set­zen wä­re. Mit dem An­satz 1 : 2 (= 0,5) lie­gen wir da­mit auf der ab­so­lut si­che­ren Sei­te. Zum Zah­len­ver­gleich für w wol­len wir ei­ni­ge aus­ge­dach­te Lot­to­sys­te­me be­trach­ten. Wenn die Wahr­schein­lich­keit für ei­nen Voll­tref­fer im kom­mer­zi­el­len Zah­len­lot­to »6 aus 49« – d. h. aus 49 Fel­dern mit fort­lau­fen­der Num­me­rie­rung – et­wa 1 : 14 Mil­lio­nen be­trägt, so wol­len wir die Fra­ge stel­len: Auf wie viel Fel­der dürf­te ein zwei­ter Lot­to­schein er­wei­tert wer­den, bei dem eben­falls 6 rich­ti­ge Zah­len für ei­nen Voll­tref­fer zu be­nen­nen sind, um ge­ra­de auf je­ne Wahr­schein­lich­keit zu kom­men, die sich für die zu­fäl­li­ge Er­fül­lung von 3268 Pro­phe­ti­en er­gä­be? Was wür­den wir schät­zen?
a) die Grö­ße ei­ner Tisch­ten­nis­plat­te?
Auf ei­ner Flä­che von A = 1,525 · 2,74 m² = 4,1785 m² sind L = 167 140 Ein­zel­fel­der von der Grö­ße, wie sie auf ei­nem han­dels­üb­li­chen Lot­to­schein an­zu­tref­fen sind, mög­lich.
b) die Grö­ße ei­nes Fuß­ball­fel­des? Bei A = 7350 m² sind L = 459 375 000 Ein­zel­fel­der mög­lich.
c) oder gar die Ober­flä­che der ge­sam­ten Erd­ku­gel? Bei A = 510 Mill. km2 sind L = 31,3653 · 1018 Ein­zel­fel­der mög­lich, wo­bei 1018 ei­ne Tril­li­on oder ei­ne Mil­li­on Bil­li­ar­den be­deu­tet.
Rech­net man die Wahr­schein­lich­kei­ten aus, um bei L durch­num­me­rier­ten Fel­dern sechs Rich­ti­ge zu zie­hen, so er­ge­ben sich für die obi­gen Flä­chen fol­gen­de Wer­te:
a) w = 1 : 0,4 · 1030 (bzw. 2,5 · 10–30)
b) w = 1 : 1,3 · 10 49 (bzw. 7,69 · 10–50)
c) w = 1 : 1,3 · 10114 (bzw. 7,69 · 10–115)
Wir se­hen an­hand der Zah­len für w, dass die Ver­glei­che a) bis c) völ­lig un­zu­rei­chend sind. Das ma­the­ma­ti­sche Er­geb­nis für die Fel­der­zahl ist ge­ra­de­zu atem­be­rau­bend! Wir müss­ten zu ih­rem Grö­ßen­ver­gleich die Ge­samt­zahl al­ler Ato­me des Uni­ver­sums zu Hil­fe neh­men, und die­se ist mit 1080 selbst nicht mehr vor­stell­bar. Es ist ei­ne 1 mit 80 Nul­len oder die Zahl 10 Mil­li­ar­den acht­mal mit sich selbst mul­ti­pli­ziert. Auf die er­rech­ne­te tran­sas­tro­no­mi­sche Zahl von 2,74 · 10164 Fel­dern je­nes Su­per­lot­to­scheins kommt man al­ler­dings erst durch ei­nen wei­te­ren, un­se­re Vor­stel­lun­gen noch ein­mal über­stei­gen­den Ver­gleich: Stellt man sich so vie­le Uni­ver­sen glei­cher Grö­ße vor, wie un­ser Uni­ver­sum Ato­me hat, dann ist die Ge­samt­zahl der Ato­me al­ler die­ser ge­dach­ten Uni­ver­sen im­mer noch um den Fak­tor 27 400 klei­ner als der be­nö­tig­te Lot­to­schein Fel­der ha­ben dürf­te [G1, 185].
Nach den obi­gen Be­trach­tun­gen kön­nen wir nur ei­ne ver­tret­ba­re Kon­se­quenz zie­hen: Die Pro­phe­ti­en sind gött­li­cher Art, sie kön­nen von kei­nem Men­schen stam­men. So füh­ren uns die Be­rech­nun­gen zu ei­nem Er­geb­nis, das Je­sus in dem be­kann­ten Ge­bet zum Va­ter (oft fälsch­li­cher­wei­se als »Ho­he­pries­ter­li­ches Ge­bet« be­zeich­net, ob­wohl es sich hier nicht um ei­nen ho­he­pries­ter­li­chen Dienst, d. h. Süh­nung der Sün­den des Vol­kes, han­delt) auf die knap­pe For­mel bringt: »Dein Wort ist die Wahr­heit!« (Joh 17,17). Die Bi­bel kann so­mit nicht von mensch­li­cher Her­kunft sein, son­dern es gilt: »Al­le Schrift ist von Gott ein­ge­ge­ben« (2Tim 3,16). Gott be­nutz­te aus­er­wähl­te Men­schen, de­nen er die für uns wich­ti­ge In­for­ma­ti­on gab, da­mit sie die­se – oh­ne da­bei ih­re Per­son, ihr We­sen und ih­re Emp­fin­dun­gen aus­zu­klam­mern – für uns auf­schrie­ben. Wei­te­res zu die­ser Fra­ge ist in drei Un­ter­ka­pi­teln im An­hang »Ba­sis­sät­ze zur Bi­bel« zu fin­den: I.1 Zu ih­rer Her­kunft; I.2 Zu ih­rem Wahr­heits­ge­halt; I.3 Zur Prü­fung ih­rer Wahrheit.

Wie kann ich prü­fen, ob die Bi­bel wahr ist?

Ob ein ma­the­ma­tisch for­mu­lier­ter phy­si­ka­li­scher Ab­lauf oder ei­ne be­schrie­be­ne che­mi­sche Re­ak­ti­on un­ter de­fi­nier­ten Be­din­gun­gen statt­fin­det oder nicht, kann nicht in ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de ent­schie­den wer­den, son­dern im prüf­ba­ren Ex­pe­ri­ment. Im Ge­gen­satz zu al­len an­de­ren Schrif­ten der Ideo­lo­gien und Re­li­gio­nen nennt die Bi­bel Me­tho­den, wie ih­re Wahr­heit durch Ex­pe­ri­ment er­mit­telt wer­den kann. Wer nicht nur phi­lo­so­phie­rend fragt, son­dern zu ei­ner ech­ten Über­zeu­gung kom­men will, ist zu ei­nem Ex­pe­ri­ment ein­ge­la­den, für das sich Gott selbst ver­bürgt:
»Und lass das Buch die­ses Ge­set­zes nicht von dei­nem Mun­de kom­men, son­dern be­trach­te es Tag und Nacht, auf dass du hal­test und tu­est al­ler­din­ge nach dem, was dar­in ge­schrie­ben steht. Als­dann wird es dir ge­lin­gen in al­lem, was du tust, und wirst wei­se han­deln kön­nen« (Jos 1,8).
Die­ses Ex­pe­ri­ment be­steht da­nach aus drei Teil­schrit­ten:
1. Ex­pe­ri­ment­be­schrei­bung ken­nen­ler­nen: Zu­nächst geht es dar­um, sich durch in­ten­si­ves Le­sen mit dem In­halt der Bi­bel ver­traut zu ma­chen.
2. Aus­füh­rung des Ex­pe­ri­ments: Im zwei­ten Schritt sind al­le er­kann­ten An­wei­sun­gen in die Tat um­zu­set­zen.
3. Prü­fung der ex­pe­ri­men­tel­len Da­ten: Al­le Men­schen wün­schen sich ein ge­lun­ge­nes Le­ben in Ehe und Fa­mi­lie, Be­ruf und Frei­zeit. Die Fra­gen an die Rat­ge­ber in der Re­gen­bo­gen­pres­se le­gen ein be­red­tes Zeug­nis da­von ab. Kein psy­cho­lo­gi­scher Ehe­be­ra­ter, kein In­dus­trie­ma­na­ger und kein po­li­ti­scher Be­ra­ter ver­fügt über ein ab­so­lu­tes Er­folgs­re­zept. Nur die Bi­bel ver­spricht un­ter den obi­gen Be­din­gun­gen Ge­lin­gen und wei­ses Han­deln im Le­ben.
Wer die­ses Ex­pe­ri­ment durch­führt, kommt im­mer zu ei­ner po­si­ti­ven Bi­lanz. Es gibt we­der Ver­lust noch Ri­si­ko, al­so kei­nen ver­lo­re­nen Ein­satz wie beim Lot­to­spiel oder Zins­ver­lust wie bei Kre­di­ten. Wer es mit der Bi­bel wagt, hat es mit Gott zu tun, und wird da­durch ei­nen gro­ßen Ge­winn ha­ben. (Wei­te­re Prüf­mög­lich­kei­ten sind im An­hang »An mer­kun­gen zur Bi­bel«, Teil I.3 »Zur Prü­fung ih­rer Wahr heit« aufgeführt.)

Was ist an der Bi­bel an­ders als bei al­len sons­ti­gen Bü­chern der Welt­li­te­ra­tur?

Die Bi­bel un­ter­schei­det sich in mehr­fa­cher Hin­sicht grund­le­gend von al­len sons­ti­gen Bü­chern der Welt­ge­schich­te, so­dass sie ein ein­zig­ar­ti­ges, ein­ma­li­ges und un­ver­gleich­li­ches Werk dar­stellt:
Trotz über 1000-jäh­ri­ger Ent­ste­hungs­dau­er weist die Bi­bel ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Kon­ti­nui­tät auf: Die Bi­bel wur­de in ei­ner Zeit­span­ne von über 1500 Jah­ren von et­wa 45 Schrei­bern un­ter­schied­li­cher Her­kunft und Be­ru­fe ge­schrie­ben. Hier zu ge­hö­ren z. B. der Uni­ver­si­täts­ab­sol­vent Mo­se, der mi­li­tä­ri­sche Ober­be­fehls­ha­ber Jo­sua, der Mi­nis­ter­prä­si­dent Da­ni­el, der Mund­schenk Nehe­mia, der Kö­nig Da­vid, der Hir­te Amos, der Fi­scher Pe­trus, der Zöll­ner Mat­thä­us, der Arzt Lu­kas und der Zelt­ma­cher Pau­lus. Die Bi­bel­tei­le ent­stan­den mit­un­ter an un­ge­wöhn­li­chen Or­ten, wie in der Wüs­te (Mo­se), im Ker­ker (Je­re­mia), im Pa­last (Da­ni­el), auf Rei­sen (Lu­kas) oder in der Ver­ban­nung (Jo­han­nes) und bei al­len nur denk­ba­ren Ge­müts­ver­fas­sun­gen der Schrei­ber wie Freu­de und Lie­be, Angst und Sor­ge, Not und Ver­zweif­lung. Trotz der sonst nir­gends an­zu­tref­fen­den Spann­wei­te von 60 Ge­nera­tio­nen hin­sicht­lich ih­rer zeit­li­chen Ent­ste­hung und der un­ter­schied­li­chen Ge­sell­schafts­schich­ten ih­rer Au­toren ist die Bi­bel von ei­ner ein­heit­li­chen, fein auf­ein­an­der ab­ge­stimm­ten The­ma­tik. Die Schrei­ber be­han­deln Hun­der­te von The­men mit be­son­ders auf­fäl­li­ger Har­mo­nie und Kon­ti­nui­tät. Wür­den Men­schen oh­ne das Wir­ken Got­tes aus so weit ent­le­ge­nen Zeit­epo­chen und mit so di­ver­gie­ren­den Per­sön­lich­keits­struk­tu­ren ei­ne sol­che The­men­span­ne be­ar­bei­ten, so wä­re er­fah­rungs­ge­mäß kei­ne Ein­heit zu er­war­ten. Ins be­son­de­re zieht sich die bi­bli­sche Leh­re über Gott so­wie sei­ne Heils­ge­schich­te mit den Men­schen wie ein ro­ter Fa­den durch die gan­ze Bi­bel.
Die Bi­bel ent­hält ei­ne so wei­te Pa­let­te li­te­ra­ri­scher Gat­tun­gen wie sie in kei­nem an­de­ren Buch an­zu­tref­fen ist (sie­he Satz B58 im An­hang, Teil I). Hin­ge­gen feh­len die­je­ni­gen Text­ar­ten, die nicht der Wahr­heit ver­pflich­tet sind wie z. B. Mär­chen, Le­gen­de und Sa­ge. Eben­so we­nig fin­det man sol­che Über- oder Un­ter­trei­bun­gen, wie wir sie von Sa­ti­ren, Glos­sen, Hel­den­re­den oder Ko­mö­di­en ken­nen.
Die Bi­bel ist von ei­ner be­ach­tens­wer­ten Viel­sei­tig­keit ge­prägt. Sie ist zu­gleich Glaubens‑, Ge­setz- und Ge­schichts­buch. Sie lie­fert die Grund­la­gen zahl­rei­cher Wis­sens­ge­bie­te und ent­hält tau­sen­der­lei Le­bens­re­geln für die ver­schie­dens­ten Si­tua­tio­nen. Sie ist der bes­te Ehe­be­ra­ter und be schreibt, wie wir uns zu El­tern und Kin­dern, zu Freun­den und Fein­den, zu Nach­barn und Ver­wand­ten, zu Frem­den, zu Gäs­ten und Glau­bens­ge­nos­sen ver­hal­ten sol­len (aus­führ li­cher in Fra­ge FL3 be­han­delt). Sie spricht über die Her kunft die­ser Welt und al­len Le­bens, über das We­sen des To­des und über das En­de der Welt. Sie zeigt uns das We­sen Got­tes des Va­ters, sei­nes Soh­nes Je­sus Chris­tus und die Wir­kun­gen des Hei­li­gen Geis­tes.
Die Bi­bel ist das ein­zi­ge Buch mit aus­schließ­lich zu­ver­läs­si­gen pro­phe­ti­schen Aus­sa­gen. Die­se sind gött­li­chen Ur­sprungs (1Sam 9,9; 2Sam 24,11; 2Petr 1,20–21) und dar­um auch in kei­nem an­de­ren Buch der Welt­ge­schich­te zu fin­den (auch nicht im Ko­ran oder in den Auf­zeich­nun­gen des fran­zö­si­schen Ok­kul­tis­ten Nos­tradamus). Die Zeit­span­nen zwi­schen Nie­der­schrift und Er­fül­lung sind so groß, dass auch strengs­te Kri­ti­ker nicht ein­wen­den könn­ten, die Pro­phe­ti­en sei­en erst ge­ge­ben, nach­dem die Er­eig­nis­se schon ein ge­tre­ten wa­ren (aus­führ­li­cher in [G1, 159–199]).
Der zeit­li­che Aus­sa­ge­rah­men der Bi­bel fin­det nir­gends sei­nes­glei­chen. Die Bi­bel er­streckt sich in ih­ren Aus­sa­gen vom An­fangs­punkt der phy­si­ka­li­schen Zeit­ach­se (Schöp­fung) bis zu ih­rem End­punkt (Offb 10,6b) hin. Kein sons­ti­ges Buch ver­mit­telt et­was Ge­wis­ses über den Be­ginn der Zeit und ver­mag die Er­eig­nis­se um den End­punkt der Zeit­ach­se zu be­schrei­ben. Dar­über hin­aus spricht die Bi­bel von der Ewig keit, je­ner Wirk­lich­keit, in der un­se­re ein­engen­den Zeit­ge set­ze kei­ne Gül­tig­keit mehr ha­ben.
Kei­ne Aus­sa­ge der Bi­bel hat sich als falsch er­wie­sen. Nie muss­ten wis­sen­schaft­li­che Be­zü­ge der Bi­bel auf­grund von For­schungs­er­geb­nis­sen re­vi­diert wer­den. Hin­ge­gen gibt es zahl­rei­che Bei­spie­le da­für, dass na­tur­wis­sen­schaft­li­che Be schrei­bun­gen in der Bi­bel erst et­li­che Jahr­hun­der­te nach ih­rer Nie­der­schrift durch die For­schung be­stä­tigt wur­den (z. B. Zahl der Ster­ne: [G7, 15–23]; Ge­stalt der Er­de: [Gl, 59–60]).
Kein sons­ti­ges Buch be­schreibt den Men­schen so rea­lis­tisch wie die Bi­bel. Es gibt kei­ne ko­mö­di­en­haf­ten Über­trei­bun­gen, kei­ne re­tu­schier­ten Bio­gra­phien und kein glo­ri­fi­zie­ren­des Hel­den­tum, das die ne­ga­ti­ven Sei­ten der Men­schen ver­birgt oder ver­schlei­ert. So blei­ben in der Bi­bel die Sün­den der Erz­vä­ter (1Mo 12,11–13), der Ehe­bruch Da­vids (2Sam 11) und die Un­ord­nung in den Ge­mein­den (1Kor 1,11; 2Kor 2,1–4) nicht un­er­wähnt.
Wie kein an­de­res Buch er­fasst die Bi­bel zu­künf­ti­ge Er­schei­nun­gen, die bei da­ma­li­gem Wis­sens­stand kein Mensch erah nen konn­te (z. B. Spacel­abs, Or­bi­tal­sta­tio­nen: Ob 4) und schließt in ih­re Leh­re Si­tua­tio­nen ein, die erst vie­le Jahr hun­der­te spä­ter auf­ge­tre­ten sind (z. B. Dro­gen­kon­sum: 2Kor 6,16–17; Gen­tech­no­lo­gie: sie­he Fra­ge FL10).
Schon die­se acht ge­nann­ten Be­son­der­hei­ten wei­sen die Bi­bel als ein her­aus­ra­gen­des Buch aus, dem kein an­de­res auch nur an­nä­hernd ver­gleich­bar wä­re. Der His­to­ri­ker Phil­ip Schaff be­schreibt die Ein­zig­ar­tig­keit der Schrift und den, über den sie spricht, sehr tref­fend:
»Die­ser Je­sus von Na­za­reth be­sieg­te oh­ne Geld und Waf­fen mehr Mil­lio­nen Men­schen als Alex­an­der, Cä­sar, Mo­ham­med und Na­po­le­on; oh­ne Wis­sen­schaft und Ge­lehr­sam­keit warf er mehr Licht auf gött­li­che und mensch­li­che Din­ge als al­le Phi­lo­so­phen und Ge­lehr­ten zu­sam men; oh­ne rhe­to­ri­sche Kunst­fer­tig­keit sprach er Wor­te des Le­bens, wie sie nie zu­vor oder seit­her ge spro­chen wur­den, und er­ziel­te ei­ne Wir­kung wie kein an­de­rer Red ner oder Dich­ter. Oh­ne selbst ei­ne ein­zi­ge Zei­le zu schrei­ben, setz­te er mehr Fe­dern in Be­we­gung und lie fer­te Stoff für mehr Vor­tra­gen, Re­den, Dis­kus­sio­nen, Lehr­wer­ke, Kunst­wer­ke und Lob­ge­sän­ge als das ge­sam­te Heer gro­ßer Män­ner der An­ti­ke und Mo­der­ne.« (J. Mc­Do­well: Die Bi­bel im Test, S. 54)
Wenn auch die Bi­bel hin­sicht­lich der Zahl ih­rer Wör­ter und Buch­sta­ben ex­akt er­fass­bar ist (z. B. die eng­li­sche King Ja­mes Ver­si­on: 783 137 W. und 3 566 480 B.), so ist doch die Fül­le ih­rer Ge­dan­ken un­zähl­bar. Kein Men­schen­le­ben reicht aus, um den kom­plet­ten Ge­dan­ken­schatz zu he­ben (Ps 119,162). Die Bi­bel kön­nen wir dar­um als ein­zi­ges Buch be­lie­big oft le­sen, oh­ne dass sie lang­wei­lig wird. Mit je­dem Le­sen er schlie­ßen sich neue Ge­dan­ken­gän­ge und Quer­ver­bin­dun­gen zu an­de­ren Tex­ten. Wir kom­men zu ei­ner wich­ti­gen Schluss­fol­ge­rung: Die Bi­bel ist das ein­zi­ge gött­li­che Buch. Ih­re Wahr­heit ist von Gott ver­bürgt und au­to­ri­siert (Ps 119,160; Joh 17,17).

Ist die Bi­bel wis­sen­schaft­lich ernst zu neh­men, wenn sie al­ter­tüm­li­che Welt­bild­vor­stel­lun­gen ver­wen­det, die doch längst über­holt sind?

Die Bi­bel ver­wen­det kei­nes­wegs Welt­bil­der der da­ma­li­gen Zeit (sie­he auch B59, S. 149–151). Es ist um­ge­kehrt: Die li­be­ra­le Theo­lo­gie in­ter­pre­tiert in die bi­bli­schen Tex­te die Vor­stel­lun­gen des Al­ten Ori­ents hin­ein. Mit ei­nem sol­chen der Bi­bel un­ter­stell­ten Welt­bild ar­bei­tet A. Läpp­le, wenn er ih­re Ent­ste­hung als rein mensch­li­ches Wol­len an­sieht:
»Die Er­de dach­te man sich als run­de, fla­che Schei­be. Sie nimmt den Mit­tel­punkt der Schöp­fung ein und wird von den un­te­ren Was­sern um­flos­sen, der Ur­flut oder dem Ur­oze­an … Über die Erd­schei­be spannt sich als Über­da­chung das Fir­ma­ment, an dem Son­ne, Mond und Ster ne gleich Lam­pen an­ge­bracht sind. Über dem Fir­ma­ment be­fin­den sich die ›obe­ren Was­ser‹, die durch Fens­ter oder Schleu­sen als Re­gen auf die Er­de strö­men kön­nen.« (»Die Bi­bel – heu­te«, Mün­chen, S. 42)
Nur we­ni­ge Ver­se der Bi­bel rei­chen aus, um sol­che Vor­ein­stel­lun­gen zu ent­kräf­ten und um zu zei­gen, wie wirk­lich­keits­treu bi­bli­sche Aus­sa­gen wa­ren, be­vor die heu­te nach­ge­wie­se­ne Ge­stalt der Er­de all­ge­mei­ne Er­kennt­nis war:
In Hi­ob 26,7 le­sen wir: »Er spannt den Nor­den aus über der Lee­re, hängt die Er­de auf über dem Nichts« (El­ber­fel­der Übers.). Die Er­de schwimmt we­der auf ei­nem Ur­oze­an noch ist sie auf ei­ne fes­te Un­ter­la­ge ge­stellt, viel­mehr schwebt sie frei in ei­nem sie um­ge­ben­den Hoch­va­ku­um. Auch über die Erd­ge­stalt äu­ßert sich die Bi­bel in di­rek­ten und in­di­rek­ten Be­zü­gen, ob­wohl dies nicht die pri­mä­re Mit­tei­lungs ab­sicht ist: »Er ist es, der da thront über dem Rund (hebr. chug = Kreis oder Ku­gel) der Er­de« (Jes 40,22; Men­ge).
Die sphä­ri­sche Ge­stalt der Er­de kommt auch deut­lich zum Aus­druck in den Tex­ten zur Wie­der­kunft Je­su. Da der Herr plötz­lich (Mt 24,27) und für al­le Men­schen gleich­zei­tig sicht­bar (Offb 1,7) er­schei­nen wird, ist es bei sei­nem Kom­men für die Mensch­heit auf der ei­nen Erd­hälf­te Tag und für die auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­te Le­ben­den Nacht. Ge­nau das bringt der Text in Lu­kas 17,34+36 als Ne­ben­ef­fekt zum Aus­druck: »In der­sel­ben Nacht wer­den zwei auf ei­nem Bet­te lie­gen; ei­ner wird an­ge­nom­men, der an­de­re wird ver­wor­fen wer­den. Zwei wer­den auf dem Fel­de sein; ei­ner wird an­ge­nom­men, der an­de­re wird ver­wor­fen wer­den.« Die gleich­zei­tig auf der Er­de ge­ge­be­ne Tag- bzw. Nacht­si­tua­ti­on ist durch Feld­ar­beit bzw. Nacht­ru­he mar­kiert und hängt nur da­von ab, an wel­cher Po­si­ti­on der ro­tie­ren­den Er­de man sich dann ge­ra­de be­fin­det. Auch Sach­ar­ja (Kap. 14,7) be­zeugt das Kom­men des Herrn nicht im Welt­bild­den­ken sei­ner Zeit, son­dern wirk­lich­keits­ge­treu: »Und wird ein Tag (= Da­tum) sein, der dem Herrn be­kannt ist, we­der Tag noch Nacht (= dann sind Tag und Nacht auf­ge­ho­ben); und um den Abend wird es licht sein.«

Wo­durch wird man se­lig – durch den Glau­ben oder durch Wer­ke?

Im NT fin­den wir zwei Aus­sa­gen, die sich auf den ers­ten Blick zu wi­der­spre­chen schei­nen:
a) Ret­tung durch Glau­ben: »So hal­ten wir nun da­für, dass der Mensch ge­recht wer­de oh­ne des Ge­set­zes Wer­ke, al­lein durch den Glau­ben« (Röm 3,28).
b) Ret­tung durch Wer­ke: »So se­het ihr nun, dass der Mensch durch Wer­ke ge­recht wird, nicht durch den Glau­ben al­lein« (Jak 2,24).
Nach den zen­tra­len Aus­sa­gen des NT hat der Glau­be an den Herrn Je­sus Chris­tus ret­ten­de Kraft (Joh 3,16; Mk 16,16; Apg 13,39; Apg 16,31).
Die­ser ret­ten­de Glau­be be­steht nicht in ei­nem Für­wahr­hal­ten bi­bli­scher Fak­ten, son dern in der per­so­na­len Bin­dung an den Sohn Got­tes: »Wer den Sohn hat, der hat das Le­ben« (1Joh 5,12). Wer sich zum Herrn Je­sus be­kehrt, er­fährt da­durch die größ­te Ver­än­de­rung des Le­bens. An sei­nem Le­bens­stil und an sei­nen Ta­ten wird es für je­der­mann of­fen­bar: »Wenn ihr mich liebt, wer­det ihr mei­ne Ge­bo­te hal­ten« (Joh 14,15) – »ihr wer­det mei­ne Zeu­gen sein« (Joh 15,27) – »han­delt da­mit, bis dass ich wie­der­kom­me« (Lk 19,13) – »die­net dem Herrn« (Röm 12,11) – »lie­bet eu­re Fein­de« (Mt 5,44) – »ver­gel­tet nicht Bö­ses mit Bö­sem« (Röm 12,17) – »gast­frei zu sein, ver­ges­set nicht« Hebr 13,2) – »wohl­zu­tun und mit­zu­tei­len, ver­ges­set nicht« (Hebr 13,16) – »wei­de mei­ne Scha­fe!« (Joh 21,17). Der Dienst im Na­men Je­su un­ter Ein­satz der an ver­trau­ten Ga­ben ist ei­ne un­be­ding­te Fol­ge des ret­ten­den Glau­bens. Die­ses Han­deln wird im NT als Frucht oder Werk des Glau­bens be­zeich­net. Wer nicht wirkt, geht dem­nach ver­lo­ren: »Und den un­nüt­zen Knecht werft in die Fins­ter­nis hin­aus; da wird sein Heu­len und Zäh­ne­klap­pen« (Mt 25,30). Im Ge­gen­satz zu den Wer­ken des Glau­bens han­delt es sich bei den Wer­ken des Ge­set­zes (Gal 2,16) oder den to­ten Wer­ken (Hebr 6,1; Hebr 9,14) um die Wer­ke des­sen, der noch nicht glaubt. Auch hier gilt: Wenn zwei das glei che tun, ist es noch längst nicht das­sel­be. Der Text­zu­sam­men­hang von Ja­ko­bus 2,24 – sie­he obi­ge Aus­sa­ge b) – zeigt, dass der Glau­be Abra­hams kon­kre­te Ta­ten nach sich zog: Er war Gott ge­gen­über ge­hor­sam, in­dem er aus sei­nem Va­ter­land aus­zog (1Mo 12,1–6) und be­reit war, sei­nen Sohn Isaak zu op­fern (Jak 2,21). Eben­so ist das Werk der (ehe ma­li­gen) Hu­re Ra­hab (Jak 2,25), näm­lich die Ret­tung der is­rae­li­schen Kund­schaf­ter in Ka­na­an, ei­ne Fol­ge ih­res Got­tes­glau­bens (Jos 2,11). So wird hier­an deut-lich: Zum Glau ben ge­hö­ren un­trenn­bar die Wer­ke. Ge­nau so wie der mensch­li­che Leib oh­ne Geist tot ist, so ist auch der Glau­be oh­ne die dar­aus fol­gen­den Ta­ten tot (Jak 2,26). Die obi­gen Ver­se a) und b) bil­den al­so kei­nen Wi­der­spruch; wir ha­ben es hier mit ei­nem Fall kom­ple­men­tä­rer Aus­sa­gen zu tun, die sich er­gän­zen (sie­he Aus­le­gungs­grund­sät­ze A3 und A14 im An­hang, Teil II).

War­um hat sich Gott ge­ra­de die Me­tho­de des Kreu­zes zur Er­lö­sung aus­ge­dacht? Wä­re auch ei­ne an­de­re Me­tho­de denk­bar?

Die Me­tho­de der Kreu­zi­gung wird im AT nicht di­rekt er­wähnt, wohl aber wer­den meh­re­re De­tails pro­phe­tisch ge­nannt, die al­lein auf die Kreu­zi­gung zu­tref­fen wie z. B. in Psalm 22,17: »Sie ha­ben mei­ne Hän­de und Fü­ße durch­gra­ben.« Pau­lus be­zieht die alt­tes­ta­ment­li­che Aus­sa­ge »Ein Auf­ge­häng­ter ist ver­flucht bei Gott« (5Mo 21,23) auf den ge­kreu­zig­ten Je­sus (Gal 3,13). Die von den Per sern über­nom­me­ne Hin­rich­tungs­art galt bei den Rö­mern als die »grau­sams­te, ent­setz­lichs­te« (Ci­ce­ro) und »schänd­lichs­te« (Ta­ci­tus). Das Kreuz lag im Plan Got­tes; Je­sus »er dul­de­te das Kreuz und ach­te­te der Schan­de nicht« (Hebr 12,2). »Er ward ge­hor­sam bis zum To­de, ja, zum To­de am Kreuz« (Phil 2,8). Ob ei­ne an­de­re Me­tho­de des To­des – et­wa durch Stei­ni­gen, Ent­haup­ten, Ver­gif­ten, Er­trän­ken – auch denk­bar wä­re, ist durch die Ana­lo­gie von Fall und Er­lö­sung aus­zu­schlie­ßen: An ei­nem Baum (1Mo 2,17: Baum der Er­kennt­nis) kam die Sün­de in die Welt; an ei­nem Baum muss te sie ge­tilgt wer­den: Das Kreuz von Gol­ga­tha ist der Baum des Flu­ches (Gal 3,13): Je­sus stirbt ehr­los und aus je­der mensch­li­chen Ge­mein­schaft aus­ge­schlos­sen: Er ist ver­flucht.
Das Mo­se-Ge­setz spricht über den Sün­der den Fluch aus. Die­ser liegt seit dem Sün­den­fall auf al­len Men­schen. Je­sus hat den Fluch Got­tes über die Sün­de an un­se­rer Statt auf sich ge­nom­men. Das Wort vom Kreuz ist nun die be­frei­en de Bot­schaft für al­le Men­schen, die durch ih­re Sün­de prin­zi­pi­ell un­ter dem Fluch ste­hen.
Papst Jo­han­nes Paul II. be­zeich­ne­te Ausch­witz ein­mal als das Gol­ga­tha des 20. Jahr­hun­derts. In die­sem Sin­ne gibt es heu­te ei­ne theo­lo­gi­sche Rich­tung, die Je­sus in So­li­da­ri­tät sieht mit an­de­ren Lei­den­den, Ge­fol­ter­ten und Er­mor­de­ten, die wie er ge­lit­ten ha­ben und ei­nes grau­sa­men To­des ge­stor­ben sind. Aber: Der Kreu­zes­tod Chris­ti darf nie und nim­mer mit dem Tod an­de­rer Men­schen, sein Kreuz auch nicht mit den vie­len an­de­ren Kreu­zen, die um Je­ru­sa­lem oder Rom stan­den, ver­gli­chen wer­den. Es hat, weil es das Kreuz des Chris­tus, des Got­tes­soh­nes, ist, ei­ne an­de­re »Qua­li­tät« als al­le an­de­ren Kreu­ze. Er durch­litt nicht nur die Un­ge­rech­tig­keit der Mäch­ti­gen in die­ser Welt, son­dern als Ein­zi­ger den Zorn Got­tes über die Sün­de. Nur er al­lein war das Op­fer­lamm, das stell­ver­tre­tend »für vie­le« das Ge­richt Got­tes trug. »Das Wort vom Kreuz« (1Kor 1,18) ist seit dem das Zen­trum al­ler christ­li­chen Ver­kün­di­gung. Pau­lus hat dar­um nur ei­nes mit­zu­tei­len: »al­lein Je­sus Chris­tus, den Ge­kreu­zig­ten« (1Kor 2,2). A. M. Hull zeigt uns die Kreu­zes­be­deu­tung in ei­nem be­kann­ten Er­we­ckungs­lied:
»Wer Je­sus am Kreu­ze im Glau­ben er­blickt, wird heil zu der­sel­ben Stund; drum blick nur auf ihn, den der Va­ter ge­schickt, der einst auch für dich ward verwundt.«

Wie konn­te Je­sus vor 2000 Jah­ren für un­se­re Sün­den ster­ben, die wir erst jetzt be­gan­gen ha­ben?

Der Ret­tungs­plan Got­tes für den ge­fal­le­nen Men­schen exis­tier­te schon vor Grund­le­gung der Welt (Eph 1,4), weil Gott durch die Ga­be der Frei­heit an den Men­schen nicht nur den Sün­den­fall ein­kal­ku­liert, son­dern so­gar vor aus­ge­se­hen hat. Gott hät­te die Ret­tung durch den Herrn Je­sus im Prin­zip so­wohl un­mit­tel­bar nach dem Sün­den­fall als auch erst am En­de der Welt­ge­schich­te durch­füh­ren kön­nen; wich­tig ist nur, dass es ein­mal ge­schieht (Hebr 9,28). Im ers­ten Fall wä­re der Preis der Sün­de schon im Vor­aus er­bracht; im zwei­ten Fall ge­schä­he es rück­wir­kend. Aus dem kauf­män­ni­schen Ge­sche­hen ken­nen wir eben­so bei­des: Vor­aus­zah­lung und spä­te­re Zah­lung. Gott hat in sei­ner Weis heit den »op­ti­ma­len Zeit­punkt« fest­ge­legt. Im Blick dar­auf heißt es im Ga­la­ter­brief (4,4): »Als aber die Zeit er­fül­let ward, sand­te Gott sei­nen Sohn.« Men­schen, die vor dem Kom­men Je­su leb­ten und die da­ma­li­gen Wei­sun­gen Got­tes zum Heil be­ach­te­ten, sind eben­so durch das Op­fer von Gol­ga­tha ge­ret­tet wie die­je­ni­gen, die da­nach ge­bo­ren sind und das Evan­ge­li­um an­neh­men (Hebr 9,15). Den zeit­li­chen Aspekt des für uns schon ge­sche­he­nen Heils­er­eig­nis­ses bringt Rö­mer 5,8 zum Aus­druck: »Gott er­weist sei­ne Lie­be ge­gen uns dar­in, dass Chris­tus für uns ge­stor­ben ist, als wir noch Sün­der wa­ren.«
Zur Zeit Abra­hams oder Hi­obs gab es noch nicht die Ge­bo­te. Die­se Män­ner han­del­ten nach ih­rem Ge­wis­sen und ver­trau­ten Gott. Das rech­ne­te er ih­nen zur Ge­rech­tig­keit (Röm 4,3). Zur Zeit Da­vids gab es längst die Ge­bo­te vom Si­nai. Sie wa­ren der Maß­stab, um vor Gott ge­recht­fer­tigt zu sein; Sün­den wur­den durch Tier­op­fer zu­ge­deckt. Die Op­fer­tie­re konn­ten je­doch kei­ne Sün­de til­gen (Hebr 10,4); sie wa­ren le­dig­lich der Hin­weis auf das kom­men­de Op­fer Je­su. Aus die­sem Grun­de wird er auch als das »Lamm Got­tes, wel­ches der Welt Sün­de trägt« (Joh 1,29), be­zeich­net. Durch ihn erst gab es die end­gül­ti­ge De­ckung der Schuld. Wir le­ben in der Zeit des be­reits er­füll­ten Op­fers. Da­mit sind die Schat­ten­bil­der (Tier­op­fer) ab­ge­tan, und wir emp­fan­gen Ver­ge­bung auf­grund des be­reits er­brach­ten Opfers.

Auf­grund des Op­fer­to­des Je­su Chris­ti bie­tet Gott al­len Men­schen die Ver­ge­bung der Sün­den an. War­um gibt Gott nun nicht ei­ne Ge­ne­ral­am­nes­tie für die Sün­den al­ler Men­schen?

Auf­grund des Kreu­zes­to­des Je­su bie­tet Gott al­len Men­schen das Heil an, dar­um konn­te Pau­lus auf dem Ae­ro­pag so all­um­fas­send pre­di­gen: »Die Zeit der Un­wis­sen­heit zwar hat Gott über­se­hen; nun aber ge­bie­tet er den Men­schen, dass al­le an al­len En­den Bu­ße tun« (Apg 17,30). Es muss nun nie­mand mehr we­gen sei­ner Sün­den­last ver­lo­ren ge­hen. Je­der Sün­der kann be­gna­digt wer­den. Wenn so gar ei­nem Pau­lus, der die Ge­mein­de Je­su aus­rot­ten woll­te, ver­ge­ben wer­den konn­te, wie viel mehr je­dem an­de­ren auch. Von den bei­den mit dem Herrn Je­sus ge­kreu­zig­ten Ver­bre­chern wur­de nur der ei­ne ge­ret­tet, der mit sei­ner Schuld zu ihm kam. Der an­de­re blieb in der Ab­leh­nung und im Spott zu Je­sus und da­mit auch in sei­nen Sün­den. Dar­aus se­hen wir: Gott ver­fügt kei­ne Ge­ne­ral­am­nes­tie, son­dern er han­delt nach der frei­en Wil­lens­ent­schei­dung je­des Ein­zel­nen:
»Das (ewi­ge) Le­ben und den (ewi­gen) Tod ha­be ich euch vor­ge­legt, den Se­gen und den Fluch. So wäh­le denn das (ewi­ge) Le­ben, da­mit du am Le­ben bleibst« (5Mo 30,19; Men­ge).
»Wis­set wohl: ich (Gott) las­se euch die Wahl zwi­schen dem We­ge, der zum (ewi­gen) Le­ben führt, und dem We­ge zum (ewi­gen) To­de« (Jer 21,8; Men­ge).
Wer die Ver­ge­bung wirk­lich sucht, dem wird sie auch trotz größ­ter Ver­feh­lun­gen zu­teil: »Und wenn eu­re Sün­de blut rot wä­re …« (Jes 1,18). Zu­ge­spitzt kön­nen wir es auch so for­mu­lie­ren: Der Mensch geht nicht an der Sün­de ver­lo­ren, son­dern an sei­nem Wil­len, d. h. an sei­ner Un­buß­fer­tig­keit. In Got­tes Him­mel gibt es ein­mal nur Frei­wil­li­ge und kei­ne Zwangseinquartierten.

Es gibt mei­ner Mei­nung nach auch nach dem To­de noch die Mög­lich­keit der Ret­tung. Die Gna­de Got­tes muss doch grö­ßer sein als das, was Sie vor­ge­tra­gen ha­ben?

Die­se Fra­ge wird sehr häu­fig ge­stellt, weil sie uns wirk­lich zu­tiefst be­wegt, wenn wir echt um die Er­ret­tung von Men­schen ban­gen, die uns per­sön­lich na­he­ste­hen bzw. ‑stan­den. Es tun sich in der Tat vie­le Fra­gen auf: Was ist mit den Men­schen,
• die nur in ver­wäs­ser­ter oder ent­stell­ter Wei­se von Je­sus Chris­tus ge­hört ha­ben?
• die in ih­ren Kir­chen als christ­li­che Bot­schaft aus­schließ­lich dies­sei­tig ori­en­tier­te, häu­fig po­li­tisch ein­ge­färb­te Vor­stel­lun­gen zu hö­ren be­ka­men und dann das The­ma Christ­sein ganz ab­ge­hakt ha­ben?
• die sich ei­nen christ­li­chen Schein ga­ben, aber im Kern ih­res Le­bens an­ders ori­en­tiert wa­ren, als es die Bi­bel sagt?
• bei de­nen un­se­re evan­ge­lis­ti­schen Be­mü­hun­gen of­fen­bar er­geb­nis­los blie­ben, weil wir nicht den Zu­gang zum Her­zen des an­de­ren fan­den oder weil der an­de­re das Evan­ge­li­um nicht ge­wollt hat?
• die zum be­wuss­ten Athe­is­mus oder in Sek­ten mit fal­schen Leh­ren er­zo­gen wur­den?
• Was ist mit den vie­len jun­gen Leu­ten un­se­rer Ta­ge, de­nen aus­ge­rech­net im Re­li­gi­ons­un­ter­richt der Schu­le ei­ne an­geb­li­che Un­glaub­wür­dig­keit der Bi­bel ver­mit­telt wird und die sich des­we­gen nie mehr in ih­rem Le­ben mit Fra­gen des Glau­bens be­schäf­ti­gen?
• Was ist schließ­lich mit den Men­schen, die oh­ne ihr Ver­schul­den nie die Ge­le­gen­heit hat­ten, im Ein­fluss­be­reich des Evan­ge­li­ums zu ste­hen?
Al­le die­se Fra­gen ha­ben vie­le Grüb­ler auf den Plan ge­ru­fen, und so sind die un­ter­schied­lichs­ten Grup­pen zu Ant­wor­ten ge­kom­men, die sich ent­we­der auf ei­ne Ret­tung nach dem To­de be­zie­hen oder aber ein Ver­lo­rensein ge­ne­rell aus­schlie­ßen. Nur ei­ni­ge der vie­len sich un­ter­ein­an­der wi­der­spre­chen­den Ideen wol­len wir hier bei­spiel­haft nen­nen:
Die All­ver­söh­ner be­haup­ten, dass schließ­lich nach ei­ner Zeit be­grenz­ter Ge­rich­te oh­ne je­de Aus­nah­me al­le se­lig wer­den: Hit­ler und Sta­lin eben­so wie die Ni­hi­lis­ten und die Spi­ri­tis­ten. (Aus­führ­li­cher in [G3, 107–108] be­han­delt.)
Nach ka­tho­li­scher Auf­fas­sung kom­men die See­len der To­ten, die noch ge­läu­tert wer­den müs­sen, ins Fe­ge­feu­er, ehe sie Zu­gang zum Him­mel ha­ben. Die­se Leh­re wur­de be­son­ders durch Au­gus­ti­nus und Papst Gre­gor d. Gr. ge­för­dert. Die An­nah­me, dass die Lei­den der ›Ar­men See­len‹ im Fe­ge­feu­er durch Für­bit­te der Le­ben­den ab­ge­kürzt wer­den kön­nen, ließ im Mit­tel­al­ter das Ab­lass­we­sen und das Fest Al­ler­see­len ent­ste­hen.
Bei den Mor­mo­nen be­steht die Mög­lich­keit, dass sich ih­re Mit­glie­der stell­ver­tre­tend für Ver­stor­be­ne tau­fen las­sen kön­nen, um da­durch Un­gläu­bi­ge – so­gar aus frü­he­ren Ge­nera­tio­nen – zu ret­ten.
Nach der Leh­re der Zeu­gen Je­ho­vas gibt es für die Men­schen (au­ßer den 144 000) we­der ei­nen Him­mel noch ei­ne Höl­le. Für ih­re An­hän­ger ist ei­ne rund­erneu­er­te Er­de statt ei­ner ewi­gen Ge­mein­schaft mit Gott dem Va­ter und sei­nem Sohn Je­sus Chris­tus im Him­mel vor­ge­se­hen. Die an de­ren blei­ben im Grab, oder die To­ten kön­nen durch das sog. »Los­kauf­op­fer« frei­kom­men.
Die Neu­apos­to­li­sche Kir­che hat ei­nen »To­ten­dienst« ein­ge­rich­tet, wo­nach ih­re selbst­er­nann­ten Apos­tel bis in die Welt der To­ten hin­ein­wir­ken sol­len. Die Ver­mitt­lung der dies­seits ge­wirk­ten Heils­ga­ben an die Jen­sei­ti­gen ge­schieht durch die ver­stor­be­nen Apos­tel, die drü­ben ih­re »Er­lö­sungs­ar­beit« fort­set­zen.
An­de­re Grup­pie­run­gen wie­der­um ver­tre­ten ei­ne Leh­re, wo­nach die an Chris­tus Gläu­bi­gen in den Him­mel kom­men, die Un­gläu­bi­gen hin­ge­gen end­gül­tig ver­nich­tet wer­den, so­dass sie nicht mehr exis­tent sind.
Ei­ne an­de­re Auf­fas­sung be­zieht sich auf die Text­stel­le in 1. Pe­trus 3,18–20, aus der man­che Aus­le­ger ei­ne Ver­kün­di­gung im To­ten­reich mit dem Ziel der Er­ret­tung ab­lei­ten. (Aus­führ­lich in [G3, 146–153] be­han­delt).
Al­le die­se Auf­fas­sun­gen ver­su­chen – si­cher­lich in gu­ter Ab­sicht – ei­ne Hoff­nung für die ein­gangs ge­nann­ten Per­so­nen­grup­pen zu ge­ben. Al­les Spe­ku­lie­ren hilft uns aber nicht wei­ter, und so wol­len wir den be­fra­gen, der uns al­lein hier­in hel­fen kann: Gott in sei­nem Wort. So gilt es an­hand der bi­bli­schen Tex­te zu prü­fen, ob es noch ei­ne Ret­tungs­mög­lich­keit nach dem To­de gibt. Da es sich hier bei um ei­ne äu­ßerst wich­ti­ge Fra­ge­stel­lung han­delt, kön­nen wir da­von aus­ge­hen, dass Gott uns in der Bi­bel dar­in nicht im Un kla­ren lässt (vgl. Satz B51 im An­hang, Teil I). Eben­so hilft uns al­lein die Schrift, Irr­leh­ren in ih­rem Kern zu er­ken­nen, um nicht durch fal­sche Leh­re ver­führt zu wer­den.
Nach dem Tod folgt das Ge­richt: Im Licht der Bi­bel er wei­sen sich al­le Vor­stel­lun­gen, wo­nach dem Men­schen nach dem To­de noch ei­ne Ret­tungs­mög­lich­keit an­ge­bo­ten wird, als Irr­lich­ter mensch­li­cher Phan­ta­sie, denn »es ist den Men­schen ge­setzt, ein­mal zu ster­ben, da­nach aber das Ge­richt« (Hebr 9,27). Das gilt für Leu­te, die in ir­gend­ei­ner Form mit der Bot­schaft Got­tes in Be­rüh­rung ge­kom­men sind eben­so wie für sol­che, die es nie ge­hört ha­ben: »Wir wer­den al­le vor dem Rich­ter­stuhl Got­tes dar­ge­stellt wer­den« (Röm 14,10). Die­ses Ge­richt hat Gott dem Sohn über ge­ben. Be ur­teilt wird nicht, was jen­seits der To­des­mau­er noch ge­sche­hen ist, son­dern nur das im Hier und Heu­te Er­wirk­te »auf dass ein jeg­li­cher emp­fan­ge, wie er ge­han­delt hat bei Lei­bes­le­ben, es sei gut oder bö­se« (2Kor 5,10). Von die­sem Ge­richts­ter­min ist nie­mand aus­ge­nom­men: Gläu­bi­ge, Gleich­gül­ti­ge, Frei­den­ker, Ver­führ­te, Hei­den … kurz: der ge­sam­te Erd­kreis (Apg 17,31).
Die Ge­richts­kri­te­ri­en: Die Kri­te­ri­en des gött­li­chen Ge­richts un­ter­lie­gen kei­ner Will­kür; nie­mand wird be­vor­zugt oder be­nach­tei­ligt (1Petr 1,17; Röm 2,11). Die Maß­stä­be hat uns Gott be­kannt­ge­ge­ben. Wir wer­den aus­schließ­lich nach den bi­blisch of­fen­bar­ten Re­gu­la­ri­en be­ur­teilt: »Das Wort, wel­ches ich ge­re­det ha­be, das wird ihn rich­ten am Jüngs­ten Ta­ge« (Joh 12,48). So wol­len wir die wich­tigs­ten Kri­te­ri­en aus der Schrift zu­sam­men­stel­len:
a) Nach Got­tes Gerechtigkeit:Wir dür­fen ge­wiss sein: »Gott ver­dammt nie­mand mit Un­recht« (Hi 34,12), denn er ist ein ge­rech­ter Rich­ter (2Tim 4,8). Hier gibt es kei­ne Ver­dre­hun­gen und Ent­stel­lun­gen, weil Wahr­heit und Ge­rech­tig­keit voll zum Zu­ge kom­men: »Ja, Herr, all­mäch­ti­ger Gott, dei­ne Ge­rich­te sind wahr­haf­tig und ge­recht« (Offb 16,7).
b) Nach dem Maß des uns An­ver­trau­ten: Kein Mensch ist dem an­de­ren gleich, und je­dem ist un­ter­schied­lich viel an­ver­traut. Die nicht evan­ge­li­sier­ten Hei­den ha­ben ei­ne ge­rin­ge­re Er­kennt­nis von Gott, näm­lich nur aus der Schöp­fung (Röm 1,20) und vom Ge­wis­sen her (Röm 2,15), als je­ne Men­schen, die das Evan­ge­li­um hö­ren konn­ten. Ei­nem Rei­chen ste­hen an­de­re Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung, Gu­tes zu tun und die Aus­brei­tung des Evan­ge­li­ums zu un­ter­stüt­zen als ei­nem Ar­men. Ein mit man­cher­lei geis­ti­gen Fä­hig­kei­ten Be­gab­ter steht in ei­ner be­son­de­ren Ver­ant­wor­tung. Es ist ein Un­ter­schied, ob je­mand in ei­ner Dik­ta­tur mit zahl­rei­chen Ein­schrän­kun­gen le­ben muss­te oder in ei­nem frei­en Land wir­ken konn­te. Der Herr sagt in Lu­kas 12,48: »Denn wel­chem viel ge­ge­ben ist, bei dem wird man viel su­chen, und wel­chem viel be­foh­len ist, von dem wird man viel for­dern.«
c) Nach un­se­ren Wer­ken: Gott kennt die Hand­lun­gen ei­nes je­den, und »er wird ge­ben ei­nem jeg­li­chen nach sei­nen Wer­ken« (Röm 2,6). Wer­ke sind so­wohl die aus­ge­führ­ten Ta­ten (Mt 25,34–40) als auch die un­ter­las­se­nen (Mt 25,41–46). Die Hand­lun­gen al­ler Men­schen sind in den Bü­chern Got­tes ver­zeich­net und bil­den die Grund­la­ge der Be­wer­tung im Ge­richt (Offb 20,12–13).
d) Nach un­se­rer Frucht: Al­les, was wir im Na­men Je­su tun (Lk 19,13), – un­ser Ver­hal­ten, un­ser Wir­ken – deu­tet die Bi­bel als un­ver­gäng­li­che Frucht (Joh 15,16). Die­se ist ein grund­le­gen­der Be­ur­tei­lungs­maß­stab im Ge­richt (Lk 19,16–27). Wäh­rend al­le to­ten Wer­ke ver­bren­nen (1Kor 3,15), wird al­les Blei­ben­de be­lohnt (1Kor 3,14).
e) Nach un­se­rer Lie­be: Die Lie­be ist ei­ne be­son­de­re Frucht, denn sie ist die größ­te (1Kor 13,13). Sie ist des Ge­set­zes Er­fül­lung (Röm 13,10). Ge­meint ist hier, was wir in der Lie­be zu Gott (Mt 22,37) und in der Lie­be zu Je­sus (Joh 21,15) ge­tan ha­ben. Die selbst­lo­se Lie­be ist zu un­ter­schei­den von der be­rech­nen­den Lie­be: »Denn wenn ihr liebt, die euch lie­ben, was wer­det ihr für Lohn ha­ben?« (Mt 5,46). Der Pha­ri­sä­er Si­mon hat­te Je­sus in sein Haus ge­la­den, aber er gab ihm noch nicht ein­mal Was­ser, um die Fü­ße zu wa­schen (Lk 7,44). Die Sün­de­rin salb­te sei­ne Fü­ße mit kost­ba­rer Sal be. Sie emp­fing viel Sün­den­ver­ge­bung, dar­um hat sie dem Herrn viel Lie­be er­zeigt (Lk 7,47). Die Lie­be ist ei­ne Frucht des Geis­tes (Gal 5,22); sie hat Ewig­keits­be­deu­tung.
f) Nach un­se­ren Wor­ten: Nach der Aus­sa­ge Je­su ha­ben un se­re Wor­te ewig­keits­ent­schei­den­den Cha­rak­ter. Die­ser Aspekt im Ge­richt ist uns viel­leicht am we­nigs­ten be­wusst: »Ich sa­ge euch aber, dass die Men­schen müs­sen Re­chen­schaft ge­ben am Ta­ge des Ge­richts von ei­nem jeg­li­chen nichts­nut­zi­gen Wort, das sie ge­re­det ha­ben. Aus dei­nen Wor­ten wirst du ge­recht­fer­tigt wer­den, und aus dei­nen Wor­ten wirst du ver­dammt wer­den« (Mt 12,36–37).
g) Nach un­se­rer Ver­ant­wort­lich­keit: Von un­se­rer schöp­fungs mä­ßi­gen Per­sön­lich­keits­struk­tur sind wir auf Ver­ant­wor­tung hin an­ge­legt. Gott hat uns ei­nen gro­ßen Frei­raum zu­ge­bil­ligt, in dem wir selbst die Ver­ant­wor­tung tra­gen. Auch im Fal­le der Ver­füh­rung sind wir für un­ser Tun ver­ant­wort­lich. Ob­wohl Adams Un­ge­hor­sam nicht aus ei­ge­nem Wil­len, son dern durch Ver­füh­rung ge­schah, muss­te er den­noch die Fol gen tra­gen. Weil Glau­bens­ver­füh­rung in Ver­lo­ren­heit en­det, sind die bi­bli­schen Mah­nun­gen hier be­son­ders ein­dring­lich (z. B. Mt 24,11–13; Eph 4,14; Eph 5,6; 2Tim 2,16–18). Aus die­sem Grun­de dür­fen die Irr­leh­ren der Sek­ten in ih­rer Aus­wir­kung nicht un­ter­schätzt wer­den.
h) Nach un­se­rer Stel­lung zu Je­sus Chris­tus: Un­ser per­sön­li­ches Ver­hält­nis zu dem Sohn Got­tes gibt den al­les ent­schei­den­den Aus­schlag: »Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewi­ge Le­ben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Le­ben nicht se­hen, son­dern der Zorn Got­tes bleibt über ihm« (Joh 3,36). Die Sün­de brach­te die Ver­damm­nis über al­le Men­schen (Röm 5,18). Der ein­zi­ge Aus­weg dar­aus ist un­se­re Bin­dung an Chris­tus: »So gibt es nun kei­ne Ver­damm­nis für die, die in Chris­tus Je­sus sind« (Röm 8,1).
Das Ur­teil im Ge­richt: Nach den o. g. Kri­te­ri­en wird je­der­mann in­di­vi­du­ell be­ur­teilt. Es wird kein Aspekt im
Le­ben ei­nes Men­schen über­se­hen. Wie lau­tet das Ge­samt­ur­teil? Es wird ei­ne Zwei­tei­lung der Mensch­heit ge­ben, die Je­sus im Dies­seits als Ein­la­dung for­mu­liert:
»Ge­het ein durch die en­ge Pfor­te. Denn die Pfor­te ist weit, und der Weg ist breit, der zur Ver­damm­nis führt, und ih­rer sind vie­le, die dar­auf wan­deln. Und die Pfor­te ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Le­ben führt, und we­ni­ge sind ih­rer, die ihn fin­den« (Mt 7,13–14).
Es gibt kei­nen »gol­de­nen Mit­tel­weg« für die Un­ent­schie­de­nen und kei­nen neu­tra­len Auf­ent­halts­ort zwi­schen Him­mel und Höl­le. Am En­de – wie schon in die­sem Le­ben er­kenn­bar – wird nur zwi­schen Ge­ret­te­ten und Ver­lo­re­nen un­ter­schie­den. Der ei­nen Grup­pe wird der Herr sa­gen: »Kommt her, ihr Ge­seg­ne­ten mei­nes Va­ters, er­er­bet das Reich, das euch be­rei­tet ist von An­be­ginn der Welt« (Mt 25,34), und die an­de­re be­kommt zu hö­ren: »Ich ken­ne euch nicht, wo ihr her seid … wei­chet al­le von mir« (Lk 13,25+27). In der letz­ten Grup­pe be­fin­den sich nicht nur die Frei­den­ker und Hei­den, son­dern auch Men­schen, die um die Bot­schaft Je­su wuss­ten, aber ihm nicht im Ge­hor­sam ge­dient ha­ben. Er staunt ru­fen sie aus: »Wir ha­ben vor dir ge­ges­sen und ge trun­ken, und auf un­se­ren Gas­sen hast du ge­lehrt« (Lk 13,26).
Un­se­re Kon­se­quen­zen: Nach dem To­de gibt es – bi­blisch ge­se­hen – kei­ne Ret­tungs­mög­lich­keit mehr. Die Ent­schei­dung fällt in die­sem Le­ben, dar­um sagt der Herr Je­sus: »Rin­get da­nach, dass ihr durch die en­ge Pfor­te ein­ge­het!« (Lk 13,24). Im Ge­richt wer­den die Bü­cher Got­tes mit al­len De­tails über un­ser dies­sei­ti­ges Han­deln auf­ge­tan (Offb 20,12). Wohl dem, der dann im Buch des Le­bens steht. Die nicht­christ­li­chen Re­li­gio­nen ha­ben kei­ne ret­ten­de Kraft. Wie vie­le Men­schen ge­ret­tet wer­den, die die Fro­he Bot­schaft nie ver­nah­men, sich aber nach Gott aus­ge­streckt (Apg 17,27) und nach dem ewi­gen Le­ben ge­trach­tet ha­ben (Röm 2,7), wis­sen wir nicht. Für uns aber, die wir das Evan­ge­li­um ge­hört ha­ben, gibt es ein­mal kei­ne Ent­schul­di­gung und kein Ent­rin­nen (Hebr 2,3), wenn wir an dem Heil vor über­ge­hen. Wir ha­ben die Chan­ce der Ret­tung ge­habt. Wie die­ses Heil an­ge­nom­men wer­den kann, ist im An­hang (Teil I, Pkt. 10) aus­führ­lich dargelegt.

Es gibt so vie­le Re­li­gio­nen. Die­se kön­nen doch nicht al­le falsch sein. Ist es nicht ver­mes­sen, wenn das Chris­ten­tum be­haup­tet, der ein­zi­ge Weg zum ewi­gen Le­ben zu sein?

Kei­ne Re­li­gi­on ret­tet, auch nicht die christ­li­che, wenn sie sich als Re­li­gi­on ge­bär­det. Es gibt nur ei­nen Gott, näm­lich den, der Him­mel und Er­de ge­macht hat. Nur die Bi­bel be­rich­tet von die­sem Gott. Nur er kann uns dar­um ver­bind­lich sa­gen, was zu un­se­rer Ret­tung dient. Wä­re ir­gend­ei­ne Re­li­gi­on in der La­ge, uns vor der ewi­gen Ver­lo­ren­heit ret­ten zu kön­nen, so hät­te Gott uns die­se ge­nannt. Der Kreu­zes­tod Je­su wä­re dann nicht er­for­der­lich ge­we­sen. Da aber das Op­fer von Gol­ga­tha er­bracht wur­de, war es zur Ret­tung un­be­dingt nö­tig. So­mit gibt uns das Kreuz Je­su den ein­deu­ti­gen Hin­weis, dass es kei­ne bil­li­ge­re Me­tho­de gab, um die Sün­de vor dem hei­li­gen Gott zu til­gen. Im Kreu­zes­tod Je­su hat Gott un­se­re Sün­de ge­rich­tet, so­dass uns nun al­lein die per­sön­li­che Hin­wen­dung zu Je­sus Chris­tus und die Über­ga­be un­se­res Le­bens an ihn ret­ten. In al­len Re­li­gio­nen muss sich der Mensch durch ei­ge­ne An­stren­gung selbst er­lö­sen; nach dem Evan­ge­li­um hat Gott al­les durch sei­nen ei­ge­nen Sohn ge­tan, und der Mensch nimmt das Heil nur noch im Glau­ben in Emp­fang. Dar­um heißt es in Apos­tel­ge­schich­te 4,12 auch so aus­schließ­lich: »In kei­nem an dern ist das Heil, ist auch kein an­de­rer Na­me (au­ßer Je­sus) un­ter dem Him­mel den Men­schen ge­ge­ben, dar­in wir sol­len se­lig wer­den.« Au­ßer Je­sus gibt es kei­ne an­de­re Brü­cke in den Him­mel!
Al­le Re­li­gio­nen sind nur glit­zern­de Fa­ta Mor­ga­nen in der Wüs­te ei­ner ver­lo­re­nen Mensch­heit. Ei­nem Ver­durs­ten­den hilft kein Wahn­bild ei­ner Was­ser­quel­le. Eben­so bringt die To­le­ranz­idee ge­gen­über al­len Phan­ta­sie­ge­bil­den den Men­schen letzt­lich zu To­de (Spr 14,12). Er braucht fri­sches Was­ser. Die Bi­bel zeigt mit gro­ßer Ein­deu­tig­keit auf die ein­zi­ge rea­le Oa­se, auf die ein­zi­ge Über­le­bens­chan­ce, auf Je­sus Chris­tus:
»Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Le­ben, nie­mand kommt zum Va­ter denn durch mich« (Joh 14,6). »Ei­nen an­de­ren Grund kann nie­mand le­gen au­ßer dem, der ge­legt ist, wel­cher ist Je­sus Chris­tus« (1Kor 3,11). »Wer den Sohn hat, der hat das Le­ben; wer den Sohn Got­tes nicht hat, der hat das Le­ben nicht« (1Joh 5,12).

Wor­an kann ich er­ken­nen, dass das Evan­ge­li­um kei­ne Re­li­gi­on, son­dern gött­li­chen Ur­sprungs ist?

Schon ei­ni­ge mar­kan­te Un­ter­schie­de zwi­schen den Re­li­gio­nen und dem Evan­ge­li­um kön­nen uns in der Wahr­heits­fra­ge wei­ter­hel­fen:
In al­len Re­li­gio­nen ver­sucht der Mensch von sich aus Gott zu er­rei­chen, aber kein Su­cher kann echt be­zeu­gen: »Ich ha­be ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung zu Gott ge­fun­den, ich ha­be Frie­den im Her­zen, mei­ne Schuld ist ver­ge­ben, ich ha­be die Ge­wiss­heit des ewi­gen Le­bens.« Im Evan­ge­li um von Je­sus Chris­tus wen­det sich Gott zu uns. Er über brückt mit dem Kreuz die Kluft der Sün­de und schenkt uns Er­lö­sung. Wer dies an­nimmt, kann be­zeu­gen: »Denn ich bin ge­wiss, dass we­der Tod noch Le­ben … uns schei den kann von der Lie­be Got­tes« (Röm 8, 38–39).
Die pro­phe­ti­schen An­kün­di­gun­gen des Heils­brin­gers im AT (z. B. 1Mo 3,15; 4Mo 24,17; Jes 11,1–2; Jes 7,14) er­fül len sich wort­wört­lich. In kei­ner Re­li­gi­on gibt es der­ar­ti­ge Pro­phe­ti­en mit An­kün­di­gung und Er­fül­lung.
Gott hat al­le Re­li­gio­nen als Göt­zen­dienst und Zau­be­rei (1Kor 6,9–10; Gal 5,19–21; Offb 21,8) ver­ur­teilt. Kei­ne der vie­len Re­li­gio­nen hat ret­ten­den Cha­rak­ter (Gal 5,19–21). Wür­de es ei­ne sol­che ge­ben, die ret­ten könn­te, dann hät­te Je­sus uns die­se emp­foh­len, und er hät­te nicht den bit­te­ren Kreu­zes­tod ster­ben müs­sen. Der Sohn Got­tes aber ging ans Kreuz, um die ein­zi­ge Ret­tungs­mög­lich­keit zu er­wir­ken.
Dar­um sag­te er in Kon­se­quenz: »Geht hin­aus in al­le Welt und ver­kün­digt es al­len Men­schen!«
Gott be­glau­big­te das Op­fer Je­su Chris­ti durch sei­ne Auf­er­ste­hung von den To­ten (Röm 4,24–25). Es ist das ein­zi­ge blei­bend lee­re Grab der Welt­ge­schich­te: »Was su­chet ihr den Le­ben­di­gen bei den To­ten? Er ist nicht hier; er ist auf­er­stan­den« (Lk 24,5–6). Al­le Re­li­gi­ons­grün­der sind ge­stor­ben und im Tod ge­blie­ben. Nur Je­sus konn­te sa­gen: »Ich le­be, und ihr sollt auch le­ben« (Joh 14,19).
In al­len Re­li­gio­nen ver­sucht der Mensch, sich durch sei­ne Hand­lun­gen zu er­lö­sen. Das Evan­ge­li­um hin­ge­gen ist die Tat Got­tes (Jes 43,24b; Joh 3,16). Zum Er­lö­sungs­werk auf Gol­ga­tha kann der Mensch nichts bei­tra­gen: Wir sind teu­er er­kauft (1Kor 6,20).
Die Re­li­gio­nen ge­hen von ei­nem fal­schen Men­schen­bild aus und zeich­nen eben­so ein fal­sches Got­tes­bild. Nur die Bi­bel sagt uns, wer wir sind und wer Gott ist. Aus uns selbst sind wir nicht in der La­ge, uns so zu ver­än­dern, dass es Gott ge­fal­len könn­te, denn »wir man­geln des Ruh­mes, den wir bei Gott ha­ben soll­ten« (Röm 3,23).
In kei­ner Re­li­gi­on ver­lässt Gott den Him­mel, um den Men­schen zu er­ret­ten. In Je­sus wur­de Gott Mensch: »Und das Wort ward Fleisch und wohn­te un­ter uns, und wir sa­hen sei­ne Herr­lich­keit, ei­ne Herr­lich­keit als des ein­ge­bo­re­nen Soh­nes vom Va­ter, vol­ler Gna­de und Wahr­heit« (Joh 1,14).
Je­sus Chris­tus ist dar­um nicht ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur Re­li­gi­on. Er ist ih­re Ab­sa­ge und Ver­wer­fung. Er ist der ein­zi­ge Weg nach Hau­se – zum Va­ter­haus Got­tes (Joh 14,6).

War­um le­ben wir auf Er­den?

Un­ser Le­ben exis­tiert nicht des­halb, weil wir aus ei­nem evo­lu­ti­ven Pro­zess her­vor­ge­gan­gen sind, son­dern weil es der Wil­le Got­tes war, Men­schen zu er­schaf­fen. Die Bi­bel teilt uns nir­gends den Grund für die Schöp­fung des Men­schen mit, et­wa: weil Gott al­lein war; weil Gott Freu­de am Schaf­fen hat­te; weil Gott ein Ge­gen­über ha­ben woll­te oder weil Gott We­sen schaf­fen woll­te, um sie zu lie­ben. In 1. Mo­se 1,26–27 wird uns der Wil­le Got­tes zur Er­schaf­fung des Men­schen und die Aus­füh­rung mit­ge­teilt: »Und Gott sprach: Las­set uns Men­schen ma­chen, ein Bild, das uns gleich sei … Und Gott schuf den Men­schen ihm zum Bil­de, zum Bil­de Got­tes schuf er ihn; und schuf sie: ei­nen Mann und ei­ne Frau.« Hier­aus wird deut­lich: Wir sind ge­woll­te We­sen. Wir sind al­so we­der »kos­mi­sche Ecken­ste­her« (F. Nietz­sche) noch »Zi­geu­ner am Ran­de des Uni­ver­sums« (J. Mo­nod), noch ir­gend­wel­che Em­por­kömm­lin­ge aus dem Tier­reich, son­dern wir ent­stam­men ei­nem di­rek­ten Schöp­fungs­akt Got­tes.
Dar­über hin­aus teilt die Bi­bel uns mit, dass wir von Gott ge­liebt sind: »Ich ha­be dich je und je ge­liebt; dar­um ha­be ich dich zu mir ge­zo­gen aus lau­ter Gü­te« (Jer 31,3) oder: »Denn al­so hat Gott die Welt ge­liebt, dass er sei­nen ein­ge­bo­re­nen Sohn gab, auf dass al­le, die an ihn glau­ben, nicht ver­lo­ren wer­den, son­dern das ewi­ge Le­ben ha­ben« (Joh 3,16). Die­ser Vers zeigt uns dar­über hin­aus an, dass wir für das ewi­ge Le­ben be­stimmt sind.

Was ist der Sinn des Le­bens?

Wir Men­schen sind die ein­zi­gen ir­di­schen We­sen, die nach Sinn fra­gen. Uns be­we­gen drei Grund­fra­gen: Wo­her kom­me ich? Wo­zu le­be ich? Wo­hin ge­he ich? Vie­le ha­ben dar­über nach­ge­dacht. Der Karls­ru­her Phi­lo­soph Hans Lenk be­tont, dass wir von sei­nem Fach­ge­biet kei­ner­lei Ant­wor­ten zu er­war­ten ha­ben, wenn er schreibt: »Die Phi­lo­so­phie gibt sel­ten end­gül­ti­ge in­halt­li­che Lö­sun­gen; sie ist ein Pro­blem­fach, kein Stoff- und Er­geb­nis­fach. Für sie ist u. U. ei­ne neue Pro­blem­per­spek­ti­ve viel wich­ti­ger als ei­ne Teil­lö­sung ei­ner über­lie­fer­ten Fra­ge.« Der Dich­ter Her­mann Hes­se schreibt: »Das Le­ben ist sinn­los, grau­sam, dumm und den­noch pracht­voll – es macht sich nicht über den Men­schen lus­tig, aber es küm­mert sich um den Men­schen nicht mehr als um den Re­gen­wurm.« Die fran­zö­si­sche Schrift­stel­le­rin des Exis­ten­zia­lis­mus und Athe­is­tin Si­mo­ne de Be­au­voir ver­irrt sich in Sinn­lo­sig­keit: »Wel­chen Sinn hat das Le­ben, wenn es doch ra­di­kal ver­nich­tet wird? Wes­halb ist es dann da­ge­we­sen? Sinn­los ist letzt­lich al­les: die Schön­heit des Le­bens, die Ta­ten der Men­schen, al­les. Das Le­ben ist ab­surd.« Auch die Wis­sen­schaf­ten wie Psy­cho­lo­gie, Bio­lo­gie, Me­di­zin kön­nen uns kei­ne Ant­wort ge­ben, weil die Sinn­fra­ge nicht zu ih­rem Aus­sa­gen­feld ge­hört.
Man­che Leu­te se­hen den Sinn ih­res Le­bens dar­in, dass
• sie Gu­tes tun wol­len: Vie­le he­gen die­sen hu­ma­nis­ti­schen Ge­dan­ken, der noch nicht spe­zi­fisch christ­lich ist. Gu­tes zu tun ist zwar auch den Chris­ten auf­ge­tra­gen (Gal 6,10; 2Thess 3,13), aber wer gu­te Wer­ke tut, ist da­mit noch kein Christ.
• sie selbst zu An­se­hen kom­men: Sport­ler stre­ben nach Welt­meis­ter­ti­teln und Gold­me­dail­len. Künst­ler su­chen ih­re An­er­ken­nung auf den Büh­nen die­ser Welt.
• sie sich Un­ver­gäng­li­ches schaf­fen wol­len: So mei­nen sie, in ih­ren Kin­dern oder in der Ge­sell­schaft wei­ter­zu­le­ben (z. B. durch Stif­tun­gen, die mit ih­rem Na­men ver­bun­den sind). An­de­re wün­schen, sich in ei­ge­nen Ge dich­ten, Me­moi­ren oder Ta­ge­bü­chern zu ver­ewi­gen.
Wir soll­ten be­den­ken: Al­ler welt­li­cher Ruhm ist nur zeit­lich. Nach un­se­rem Tod ha­ben wir selbst nichts mehr da­von, denn wo­hin wir ge­hen, da »ha­ben wir kein Teil mehr auf der Welt an al­lem, was un­ter der Son­ne ge­schieht« (Pred 9,6).
Wenn un­ser Le­ben ei­ne Schöp­fung Got­tes ist, so kann es nur dann sinn­voll sein, wenn es mit die­sem Gott ge­lebt und von ihm ge­führt wird. Ein Men­schen­herz – selbst wenn es al­les Glück die­ser Welt be­sä­ße – blie­be rast­los, leer und un er­füllt, wenn es nicht Ru­he in Gott fän­de. Dar­um wol­len wir von Gott er­fah­ren, was uns Sinn gibt. In drei Punk­ten sei dies skiz­ziert:
Got­tes Ziel mit un­se­rem Le­ben ist, dass wir zum Glau­ben kom­men. Oh­ne den ret­ten­den Glau­ben an den Herrn Je­sus Chris­tus ge­hen wir ver­lo­ren. Dar­um sag­te Pau­lus dem Ker­ker­meis­ter zu Phil­ip­pi: »Glau­be an den Herrn Je­sus, so wirst du und dein Haus se­lig!« (Apg 16,31). In die­sem Sinn »will Gott, dass al­len Men­schen ge­hol­fen wer­de und sie zur Er­kennt­nis der Wahr­heit kom­men« (1Tim 2,4). Weil die­se Er­ret­tung für je­des Men­schen­le­ben vor­ran­gig ist, sag­te der Herr Je­sus dem Gicht­brü­chi­gen als Ers­tes: »Dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben!« (Mt 9,2). Ret­tung der See­le hat aus der Sicht Got­tes Vor­rang vor der Hei­lung des Kör­pers.
Wenn wir er­ret­tet sind, ste­hen wir im Dienst für Gott: »Die­net dem Herrn mit Freu­den!« (Ps 100,2). Als Nach­fol­ger Je­su soll un­ser Le­ben so aus­ge­rich­tet sein, dass wir auch an­de­re zu Jün­gern ma­chen (Mt 28,19).
»Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst« (Mt 22,39). Mit die­sem Ge­bot ver­pflich­tet uns Gott zur Lie­be nicht nur ge­gen­über den Fer­nen in Süd­afri­ka und Chi­le, son­dern in ers­ter Li­nie ge­gen­über je­nen Men­schen, die uns un­mit­tel­bar an ver­traut sind: un­ser Ehe­part­ner, un­se­re Kin­der, un­se­re El­tern, un­se­re Nach­barn, un­se­re Ar­beits­kol­le­gen. Dass wir uns selbst lie­ben, setzt die Bi­bel als Tat­sa­che vor­aus, aber dem Nächs­ten soll die­se Lie­be eben­so gel­ten.
Was wir im Glau­ben un­ter den zu­vor ge­nann­ten Punk­ten 2 und 3 ge­wirkt ha­ben, das be­zeich­net die Bi­bel als die Frucht un­se­res Le­bens. Im Ge­gen­satz zu al­len ver­gäng­li­chen Er fol­gen ist nur die Frucht blei­bend (Joh 15,16). Gott sucht sie am En­de un­se­res Le­bens und fragt uns, was wir mit an ver­trau­ten Pfun­den (Le­ben, Zeit, Geld, Be­ga­bun­gen) er wirkt ha­ben (Lk 19,11–27). Selbst der Be­cher kal­ten Was­sers, den wir im Na­men Je­su ge­reicht ha­ben, hat dann Ewig­keits­be­deu­tung (Mt 10,42).

Was ist Sün­de?

Ehe die Bi­bel das Wort »Sün­de« nennt, führt sie uns de­ren Wir­kungs­ge­schich­te plas­tisch vor Au­gen (1Mo 3,1–13). Sie bringt nicht erst die Theo­rie und dann die Pra­xis, son dern um­ge­kehrt erst die Pra­xis und lei­tet dann dar­aus das Grund­sätz­li­che ab. Die Sün­de fand ih­ren Ein­gang in die­se Welt durch die Fra­ge des Ver­su­chers: »Soll­te Gott ge­sagt ha­ben?« (1Mo 3,1). Sün­de ist da­mit ein Han­deln, das dem Wil­len Got­tes ent­ge­gen­ge­rich­tet ist. Treff­li­che Spie­gel, um die ei­ge­ne Sünd­haf­tig­keit zu er­ken­nen, sind die Zehn Ge bo­te (2Mo 20,1–17) und die Berg­pre­digt Je­su (Mt 5–7). Wenn je­mand oh­ne das Wort Got­tes lebt, kennt er so­mit nicht des­sen Wil­len, und da­mit lebt er au­to­ma­tisch und per­ma­nent in Sün­de. Das zu­erst in der Bi­bel vor­kom­men­de Wort für Sün­de (hebr. chat­tath) in 1. Mo­se 4,7 be­deu­tet Ziel­ver­feh­lung, eben­so ist das grie­chi­sche »ha­mar­tia« zu über set­zen. Wei­te­re Be­deu­tun­gen des Wor­tes Sün­de sind Ab­bie­gung, Ver­dre­hung (hebr. awon), Bos­heit, Schlech­tig­keit (hebr. raa), Ge­walt­tat (hebr. cha­mas), bö­se Ge­sin­nung (hebr. räscha). Schon das blo­ße Feh­len der Ge­rech­tig­keit ist Sün­de: »Weh dem, der sein Haus baut mit Nicht­ge­rech­tig­keit« (Jer 22,13). Im Neu­en Tes­ta­ment lau­tet die ent­spre­chen­de De­fi­ni­ti­on für Sün­de: »Was aber nicht aus dem Glau ben geht, das ist Sün­de« (Röm 14,23). Her­mann Bez­zel nann­te die Re­duk­ti­on des Men­schen auf sich selbst Sün­de. In Jo­han­nes 16,9 iden­ti­fi­ziert Je­sus die Ge­ne­ral­sün­de der Men­schen mit der Be­zie­hungs­lo­sig­keit ihm ge­gen­über: »… dass sie nicht an mich glau­ben.« Sün­de ist die gro­ße Stö­rung in dem Ver­hält­nis zwi­schen Gott und Mensch. Wer nicht die Kurs­kor­rek­tur durch Um­kehr und Ver­ge­bung (1Joh 1,9) er­fährt, der er­lebt die Fol­ge der Ziel­ver­feh­lung als un­ab­än­der­li­ches Ge­setz: »Der Sün­de Sold ist (ewi­ger) Tod« (Röm 6,23). Bei vie­len Men­schen steht die Ge­sund­heit auf Platz 1 der Rang lis­te, aber sie be­ach­ten nicht die schlimms­te Krank­heit: Die Sün­de – die Krank­heit zum Tode.

Glau­ben heißt ja nicht »wis­sen«; wie kom­men Sie da­zu, den Glau­ben als et­was Ge­wis­ses dar­zu­stel­len?

Mit der Fra­ge des Glau­bens ha­ben sich zahl­rei­che Den­ker be­fasst. Wir fin­den bei ih­nen sehr un­ter­schied­li­che Po­si­tio­nen, die aber nicht das Er­geb­nis neu­tra­len Den­kens sind, son­dern uns ih­ren per­sön­li­chen Stand­punkt wie­der­ge­ben.
Kri­ti­sche Stand­punk­te: Der Athe­ist Theo Löb­s­ack ver­tritt die Auf­fas­sung: »Der Glau­be ver­tei­digt vor­ge­fass­te Über­zeu­gun­gen und lehnt Er­kennt­nis­se der Wis­sen­schaft ab, wenn sie die­sen Über­zeu­gun­gen wi­der­spre­chen. Da­mit ist der Glau­be auch letzt­lich der Tod­feind der Wis­sen­schaft.« Ähn­lich kri­tisch äu­ßer­te sich Kant: »Ich muss­te das Wis­sen auf­he­ben, um zum Glau­ben Platz zu be­kom­men.« Mit die­ser un bi­bli­schen Auf­fas­sung wur­de er zum Weg­be­rei­ter ver­schie­de­ner Phi­lo­so­phie-Schu­len, die dem Glau­ben dia­me­tral ge­gen­über­stan­den. Der Leit­spruch an ei­ner Wand der Neu­en Ober­schu­le in Norf bei Neuß (»Ver­traue kei­nem, der sei­nen Gott im Him­mel hat«) ist die letz­te Kon­se­quenz der kri­ti­schen Ver­nunft.
Po­si­ti­ve Stand­punk­te: Von dem wohl größ­ten Phy­si­ker al­ler Zei­ten, Isaak New­ton, stammt der Aus­spruch: »Wer nur halb nach­denkt, der glaubt an kei­nen Gott; wer aber rich­tig nach­denkt, der muss an Gott glau­ben.« Mit glei­cher Ge­wiss­heit be­zeugt der be­rühm­te Ma­the­ma­ti­ker Blai­se Pas­cal (1623 – 1662): »Wie al­le Din­ge von Gott re­den zu de­nen, die ihn ken­nen, und ihn ent­hül­len de­nen, die ihn lie­ben, so ver­ber­gen sie ihn aber auch al­len de­nen, die ihn nicht su­chen und nicht ken­nen.«
Die bei­den ge­gen­über­ge­stell­ten Po­si­tio­nen be­le­gen deut­lich, dass der Glau­be nicht ei­ne Funk­ti­on der Un­wis­sen­heit ist, son­dern al­lein von der per­sön­li­chen Vor­ein­stel­lung ab hängt.
Die­se än­dert sich nicht durch phi­lo­so­phi­sche Re­fle­xio­nen, son­dern al­lein in der Hin­kehr zu Je­sus Chris­tus, die die Bi­bel als Be­keh­rung be­zeich­net. Dem nicht be­kehr­ten Men­schen sind Fra­gen des Glau­bens ei­ne Tor­heit (1Kor 1,18), und er kann sie nicht ver­ste­hen (1Kor 2,14). Der von Chris­tus er­fass­te Mensch je­doch wird in al­le Wahr­heit ge lei­tet (Joh 16,13), sein Glau­be hat ein fes­tes Fun­da­ment (1Kor 3,11), und sein Glau­be ist et­was äu­ßerst Ge­wis­ses:
»Es ist aber der Glau­be ei­ne ge­wis­se Zu­ver­sicht des, das man hofft, und ein Nicht­zwei­feln an dem, das man nicht sieht« (Hebr 11,1).

Ist zur Wie­der­ge­burt ein äu­ße­res Zei­chen nö­tig?

Be­keh­rung und Wie­der­ge­burt sind die bei­den Vo­ka­beln, die den Vor­gang un­se­rer Er­ret­tung be­schrei­ben. Be­keh­rung ist das, was der Mensch tut, und Wie­der­ge­burt das, was Gott tut. Be­keh­rung ist so­mit die mensch­li­che, Wie­der ge­burt die gött­li­che Sei­te ein und des­sel­ben Pro­zes­ses. In ei­nem Nacht­ge­spräch sagt Je­sus zu Ni­ko­de­mus: »Es sei denn, dass je­mand von neu­em ge­bo­ren wer­de, so kann er das Reich Got­tes nicht se­hen« (Joh 3,3). Die Wie der­ge­burt ist al­so not­wen­dig, um in den Him­mel zu kom men. Wie­der­ge­bo­ren­wer­den ist eben­so wie die na­tür­li­che Ge­burt ein pas­si­ver Vor­gang. Bei der na­tür­li­chen Ge­burt kom­men wir in die­ses ir­di­sche Le­ben hin­ein und wer­den Bür­ger die­ser Welt. Eben­so be­kom­men wir auch das Bür ger­recht für den Him­mel nur durch Ge­burt. Da wir al­le schon ein­mal ge­bo­ren sind, be­zeich­net die Bi­bel die­se zwei­te Ge­burt mit dem An­recht auf das himm­li­sche (ewi­ge) Le ben als Wie­der­ge­burt.
In der Bu­ße keh­ren wir uns von dem al­ten sün­di­gen Le­ben ab, und in der Be­keh­rung wen­den wir uns Chris­tus zu. Wer
mit sei­nem gan­zen We­sen die­se Hin­kehr zu Gott voll­zieht, der wird zum Heim­keh­rer in den Him­mel. Gott ant­wor­tet, in­dem er uns ein neu­es, ewi­ges Le­ben gibt; die­ses ist un­se re Wie­der­ge­burt. Mit ei­nem äu­ße­ren Zei­chen ist die­ser Vor gang nicht ver­bun­den, je­doch wird der neue Le­bens­be­zug durch die sicht­ba­re Frucht des Geis­tes – Lie­be, Freu­de, Frie­de, Ge duld, Freund­lich­keit, Gü­te, Treue, Sanft­mut, Keusch­heit (Gal 5,22–23) – bald of­fen­bar werden.

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