Denk­mal­stür­me­rei

Lutz Scheuf­ler
Fo­to: Gott­fried Bräu­er Fotografie

Der ak­tu­el­le Sturz von Denk­mä­lern durch an­ti­ras­sis­ti­sche Fun­da­men­ta­lis­ten er­in­nert an die Bil­der­stür­mer der Re­for­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert. Da­mals wa­ren es Bil­der und Fi­gu­ren mit Dar­stel­lun­gen von Gott oder Hei­li­gen, die zu Bruch gin­gen. Heu­te sind es Denk­mä­ler von Un­hei­li­gen. Men­schen, die ei­ner­seits ei­ne be­son­de­re Leis­tung voll­bracht, aber an­de­rer­seits ei­ne frag­wür­di­ge Mei­nung von sich ge­ge­ben ha­ben sollen.

Marx kann froh sein, dass er Mar­xist ist

Wie schein­hei­lig die an­ti­ras­sis­ti­sche Denk­mal­stür­me­rei ist, zeigt, dass kei­ne Karl-Marx-Sta­tue zer­stört wur­de, ob­wohl Marx (1818 – 1883) sei­nen po­li­ti­schen Kon­kur­ren­ten Fer­di­nand Lass­alle (1825 – 1864) be­schimpf­te: „Die­ser jü­di­sche Nig­ger“. Das wä­re an­ti­se­mi­tisch und ras­sis­tisch zu­gleich! Kein Sau­ber­mann for­dert, dass die über 500 Karl-Marx-Stra­ßen um­be­nannt wer­den. So­gar der Karl-Marx-Kopf in Chem­nitz – im Volk „Nischl“ ge­nannt – steht noch, und in Trier hat man 2018 ein neu­es Denk­mal un­ter Ab­sin­gen des „Kar­le­lu­jah“ in­stal­liert. Kann Marx froh sein, dass er zu­fäl­li­ger­wei­se Mar­xist ist?

Der Mensch ist böse

Das Haupt­pro­blem ist je­doch ein fal­sches Men­schen­bild. Es gibt näm­lich kei­nen Men­schen, bei dem man nichts Ne­ga­ti­ves fin­den wür­de. Wer lan­ge ge­nug forscht, wird fün­dig. Für uns al­le wä­re es heil­sam, wenn wir das Men­schen­bild der Bi­bel ernst neh­men und über­neh­men wür­den: Der Mensch ist bö­se von Ju­gend auf. Kein ma­kel­lo­ses Denkmal!

Bi­bel: Kei­ne Denk­mä­ler, son­dern feh­ler­haf­te Heilige

Die Bi­bel sagt aber noch mehr – al­le kön­nen Ver­ge­bung be­kom­men und neu an­fan­gen. Des­halb wer­den in der Bi­bel kei­ne Denk­mä­ler von un­fehl­ba­ren Men­schen auf­ge­stellt, son­dern feh­ler­haf­te Hei­li­ge vor­ge­stellt. Abra­ham log und gab aus Angst um sein Le­ben die ei­ge­ne Frau in den Ha­rem des Pha­rao. Mo­se war ein Mör­der. Da­vid war ein Ehe­bre­cher und gab ei­nen Mord in Auf­trag. Pe­trus hat Je­sus ver­leug­net. Pau­lus hat die Chris­ten bis aufs Blut ver­folgt. Wenn Gott mit sol­chen Leu­ten neu an­fan­gen kann, dann doch auch mit je­dem Ot­to Nor­mal­bür­ger. Wer das bi­bli­sche An­ge­bot, al­so Je­sus Chris­tus ernst nimmt und an­nimmt, darf aus der Ver­ge­bung le­ben und muss sich und an­de­re nicht überfordern.

Lutz Scheuf­ler

Ver­öf­fent­licht mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Au­tors. Er­st­ab­druck in ide­aSpek­trum 34/2020, S. 3, “Gast­kom­men­tar”

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